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Der israelitische Volkslehrer · 1857-05-01 · Heft 5 (Mai 1857) · page 19

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 5 (Mai 1857)
Date
1857-05-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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von vi-. Steinheim. ISS gewandelt und verpfuscht hat. ist noch himmelweit von semer Hrätension eines Beweises entfernt. Es ist nur daS Gefühl der Erlstenz in ein Won gefaßt, dem man Sprache geliehen hat. Alle solche Thatsachen des Bewußtseins sind aber nur Ariome, aus welchen ein Beweis abgeleitet werden kann, die aber selbst keines Beweises sähig und empfänglich sind. Soll unsere Existenz die einzige Bürgschaft für die. Gottes, werden, so steht diese auf schwachen Beinen. Wir könnten nur die naive Entrüstung eines uns bekannten Kindes theilen, das, als es auf dem Schreibtische eines jungen Philosophen ein Heft mit der Uebevschrift: die Beweise für das Dasein Gottes liegend fand, unwillig ausrief: „Der Herr Doktor sollte doch lieber erst seine eigene Eristenz erweisen!" — Die übrigen Beweise sind im Grunde nur s. g. Ueberzeugungsgrnnde, keine Beweise: weder der von der Zweckmäßigkeit der Weltordnung (teleologische); noch der von der Größe und Erhabenheit derselben abgeleitete (phvsicotheologische), der mit jenem meist verbunden erscheint; am wenigsten aber der sittliche, den fem Autor*) selbst nur eine Forderung (Postulat), nennt, und der sich auf eine moralische Weltordnung, auf das Sittengesetz und die Forderung eines Gesetzgebers zu seinem Bestehen, beruft. — Dieses Postulat ist nun aber, was seine beweifende Kraft anlangt, um ein gutes Theil gewichtiger, als der, mit der Prälension eines mathematischen auftretenden, ontologische Beweis. Denn bezieht sich dieser Beweis nur auf die Voraussetzung unseres innern Bewußtseins von einem wirklichen Sein, das noch sehr bestreitbar wäre: so ruht jener auf dem unzerstörbaren Grunde des Bewußtseins, zwischen zwei We? gen wählen zu können, dem Freiheitsbewußtsein in dem Menschengeiste. Auf dieses Postulat werden wir, indem wir auf die Consequenz desselben zurückkommen, uns noch späterhin einzulassen haben. Bedenken wir nun zuvörderst, wie tief ein denkender Geist, wie der unsere, demjenigen untergeordnet sein müsse, in dem der Weltenplan sich gestalten und zur Ausführung kommen konnte: so muß es uns selbst schon als ein unausführbares Unterfangen erscheinen, dieses unendliche Wesen in eines winzigen Pygmäen enges Fassungsvermögen einzwängen zu wollen! Wir kennen den alten Spruch des Sophisten: Der Mensch ist das Maß aller Dinge. Aber damals hatte noch der Mensch selbst von 12*

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