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Der israelitische Volkslehrer · 1857-04-01 · Heft 4 (April 1857) · page 25

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 4 (April 1857)
Date
1857-04-01
Page
– (sequence 25)
Language
German
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Die Parteien. 129 heilen. Auf so manche umgriffene und unverständliche Frage wurde in früheren Zeiten die einstimmige Antwort ertheilt: „Der Glaube schreibt es so vor. und ihr müßt daran glauben, wenn ihr es auch nicht verstehet." Der religiöse Geist, welcher in jenen entschwundenen Zeiten alle Schichten und alle Handlungen der menschlichen Gesellschaft durchdrang, herrschte mit einer solchen allmächtigen Gewalt, daß die Vernunft dem Glauben wich und ohne Bedenken die Huldigung des verlangten Gehorsams bezahlte. Allein unser Zeitalter ist forschend und kritisch; seine materiellen Tendenzen, welche den menschlichen Geist der religiösen Beschaulichkeit entfremden, geben den VerstandeSkräften eine außerordentliche Richtung auf eine zergliedernde und kritische Berechnung; dem Worte: „Du mußt glauben", wird mächtig von dem andern Worte widersprochen: „Ich will begreifen". Jede Religionswahrhcit muß vor dem intellektuellen Nichterspruch der heranwachsenden Generation bewiesen und demonstrirt werden; ohne diesen Prozeß läuft sie Gefahr, verworfen und mißachtet zu werden. — Aus Ächtung vor ihren Eltern, von kindlicher Liebe getrieben, werden sie diese Ansichten noch einige Zeit lang unterdrücken. Um nicht die Gefühle eines frommen Vaters oder einer guten bejahrten Mutter zu verletzen, mögen sie sich zum Scheine in die eine oder andete Zeremonie finden, welche sie innerlich schon längst verworfen haben. Aber nicht sobald werden sie unabhängig geworden sein^ oder nicht sobald werden die guten ehrwürdigen Eltern zu ihren Vätern heimgegangen sein, als diese Elemente ihr Werk beginnen, und das ganze religiöse Gebäude einer genauen Prüfung unterzogen werden wird. Diese Unruhe und Aengstlichkeit ist eS, welche alle diese Aufregung veranlaßt, welche diese heftigen Debatten hervorruft, welche eine schnelle und radikale Lösung fordert. Daher die Frage: was wird, was kann, was muß geschehen? — Und welche Maßregeln schlagen die Führer der verschiedenen Parteien zur Lösung dieser Frage vor? Im Laufe des letzten Jahres haben sich die Parteien deutlicher herausgestellt und haben ihren Ausdruck in den verschiedenen Zeitschriften, dem Occident, Israelite und Sinai gefunden. Indem wir uns über die Ansichten der Herausgeber dieser Zeitschriften aussprechen, erklären wir ein für allemal, daß wir nichts mit Persönlichkeiten zu thun haben. Die Herausgeber sind Männer von Gelehrsamkeit und Ansehen in der Religionsgenossenschaft, hochgeachtet von ihren AnHangern und auch von ihren Gegnern mit Werthschatzung angesehen. Es wäre gemein und lächerlich, einen Mann zu hassen, seinen Charakter zu verläumden und

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