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Der israelitische Volkslehrer · 1857-04-01 · Heft 4 (April 1857) · page 24

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 4 (April 1857)
Date
1857-04-01
Page
– (sequence 24)
Language
German
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128 Nordaimnk.-mischt Zustände. Wahrheit. Dicß ist der Fall mit jenen unter der ruhigen und indifferenten Oberfläche treibenden Elementen. In der Mitte unserer Jugend und der ganzen heranwachsenden Generation hat,, in Betreff der Religion und des religiösen Lebens, eine große Dtränderung Platz gegriffen. Einer der aufgeklärtesten Theologen unfter Zeit sagt: -Es gab nie eine Zeit, wo die Menschheit ss fromm war — in der Liebe zu Gott; so philan tropisch — in der Liebe zu den Menschen; so moralisch — im Gehorsam gegen daS Gesetz Gottes; so intellectnell — in der Kenntniß desselben; so reicb im Besitze so großer Gewalt über die materielle Welt. Viele der ..Ungläubigen dieses Zeitalters sind ausgezeichnet durch ihre Religion. Atheisten werden oft durch die Umstünde zu solchen gemacht." Die heranwachsende Generation fürchtet Gott nicht so sehr, als in früheren Jahren, aber sie liebt ihn desto mehr; die heranwachsende Generation vernachlässigt die Zeremonien und äußerlichen Formen der Religion, aber sie übt mit desto größerem Eifer die wesentlichen Gebote derselben: „Liebe zu Gott und zu dem Nächsten", und fühlt ihr Gewissen dadurch völlig beruhigt. Sie hat den Glauben an ein Heer von äußerlichen Zeremonien verloren. Es ist keine hocbmüthige Geringschätzung, welche sie dieselben vernachlässigen läßt; es ist das Bewußtsein und die Ueierzeugung, daß der Mensch gut und religiös sein kann, ohne alle traditionellen Gebote der Synagoge zu vollziehen. Der Verkehr mit den Gliedern verschiedener Gesellschaften und Glaubensbekenntnisse hat sie gelehrt, manches Gesetz lächerlich zu finden, welches bisher als wesentlich und unerläßlich betrachtet worden ist; die unabweisbaren Anforderungen des Lebens zwangen sie, manches Gebot zu übertreten, dessen Verletzung unmittelbaren physischen und moralischen Tod herbeizuführen gefürchtet wurde; ihre Art zu denken und zu schließen sowohl, als ihre mannigfache Bekanntschaft mit der Naturwissenschaft, der Philosophie, der Geschichte und all den verschiedenen Zweigen der menschlichen Erkenntnisse veranlaßt und überzeugt sie, über manchen Gegenstand sich eine Meinung zu bilden, welche mit der von unseren Voreltern unterhaltenen im direkten Widerspruch steht. Es ist von keinem Nutzen und von keiner Dauer, zu behaupten, daß durch eine verschiedene Art der religiösen Erziehung ein anderes Resultat erzielt werden möchte; das Leben mit seinen neugestalteten Ansichten und Ideen hat eine so furchtbare Bresche in das Bewußtsein der heranwachsenden Generation geschlagen, daß alle halben Maßregeln sich als verfehlt und unnütz erweisen werden; sie wer. den als Palliative blos für eine kurze Zeit wirken, ohne die herrschende Krankheit und das eingewurzelte Uebel radikal zu

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