Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 4 (April 1857)
- Date
- 1857-04-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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120 Weder zm Rechten »och zur Linken, Wege, trat die Sünde in die Geschichte der Menschheit ein. Die Menschengeschichte ist die Geschichte des höheren Triebes, des Hinstrebens, Hindrängens nach diesem Endziele des humanen Lebens auf Erden. Mit der Erreichung desselben hat die Geschichte ihr Problem gelöst und damit sich selbst aufgehoben. So sehen wir, daß nach der Ossenbarungslehre, und iin Sinne der erhabensten Provhetieen, der Höhepunkt, die wahre Stetigkeit, das Paradies des Menschengeschlechtes, als ein zukünftiges, vor uns liegendes Ziel, angeschaut wird. Und das ist auch die Auffassung desselben durch den RabbinismuS. Sünde ist, verbunden mit der Roth, Anfang und Fortgang unserer Geschichte; Erlösung und Glückseligkeit ihr Ziel. Heiligung und Frieden ihr Schluß. Das Alles verhält sich im Heidenthum umgekehrt; es zeigt sich in diesem Lebrpunkte ein vollkommener Gegensatz desselben zur Offenbarung. Das End e dieser ist der Anfang jenes. Sein Anfang ist die vollendete Reinheit (dasUrlicht), sein Fortgang all? mählicheVerfinsterung; seinAbschluß: Weltuntergang. Alles war im Anfange gut und rein, vertrübte sich aber immer mehr, und veruureintt sich bis zum vollendeten Gegensätze des Urlichtes, der lichtlosen Materie, dem Rein-Bösen, bis alles wieder in das Indifferente sich auflöst. Die Vertrübung, die Verderbung (von: „Derbwerden" Sich verdichten) ist gleich mit der Weltwerdung gegeben, also derAbfall vom reinen Urlichte ist ein nothwenviger Erfolg der WeltschZpfung; daß die Welt wird, ist eben der A bfa l l selbst. So tritt noch die Schöpfungslehre im späteren Evangelium des Marcion auf. Der Schöpfer ist das böse Princip selbst, — Eben so traurig gestaltet sich diese Lehre in der weniger idealen Chaoslehre, dem eigentlichen Religionspantheismus*) des Heiden« thunis. Hier treffe« wir auf die Vorstellung von den vier Weltallern, dem ersten glückseligsten, unter der Herrschaft der Urgottheiten, dem goldnen Zeitalter, das sich sodann inS silberne umsetzte, und hindurch das eherne, bis auf das gegenwärtige eiserne, das allervcrdorbenstc, verschlechtert hat. Das ist die älteste physiologische Welt- und Menschenanschauung gleichartig mit der, der mehr ethischen Lehre der Magier und Perser. Im Grundcharakter einer allmählichen Verschlcchtung im Geschichtö gange sind sie einander vollkommen gleich, und bilden den schroffsten Gegensatz gegen die Ossenbarungslehre. *) A n merk. Spinoza, der Jude, war merkwürdigerweise derjenige, der dtn uralte» Religio,ispai>theismus zu einem sirenaconsequenten Plnlchphem umgeschmolze» hat.