Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 4 (April 1857)
- Date
- 1857-04-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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pessod. urgewaltigen Persönlichkeiten der Bibel vorstellen, einen Moses, einen Silas, einen Jesaiaö, mit einem Lichtlein in der Hand auf das oberste Bödelchen steigen, um nach Krümmlein Brodcs zu suchen. Vor ihrer Erhabenheit schwinden diese krüppelhafM Erscheinungen in ihr Nichts zusammen. — Da nun zuweilen der Suchende nichts findet, so ist die Scrupulosität auf die Besorg^ gerathm, daß dam, der Name Gottes in der vorhergehenden Benedietion vergeblich ausgesprochen wäre, und hat sich derNiMZ, bei dem es hier ausdrücklich heißt, man solle keinen Brauch abstellen, geltend gemacht, daß die Frau vorher Krümmelchen an bestimmte Orte lege, damit'der Hausherr nicht vergeblich suche, und sollen deren zehn gelegt werden, worin ein großes Mysterium (^"U ruhen soll. — Am Rüsttage werden dann die gefundenen Reste verbrannt und dabei im Geiste noch einmal alles Gesäuerte für vernichtet erklärt, das sich unentdeckt noch im Hause befinden sollte. — Und wahrend man nun so skrupulös und rigoros verfahrt, um alleS Gesäuerte zu bannen, darnach mit Lichtern sucht, eS für unberechtigt, für gleichsam bürgerlich Wdt erklärt, hat man doch eine Finte erdacht, es geradezu, und dem biblischen Gebote zuwider, wissentlich im Hause zu behal-. ten! — Man verkauft es nämlich zum Scheine an einen Nichtisraelken; hierüber wird ein förmlicher Vertrag aufgesetzt, natürlich unter Bestimmungen, die der Käufer, in der Regel ein armer Schlucker, nicht einzuhalten vermag. Nach Pesach kommt nun derselbe, der während des Festes den Schlüssel zur Vrod- und Meh lkammer (Chomez-Kammer!!) in Händen gehabt, und erklärt, die Kaufsumme sei ihm unerschwinglich; man möge ihm von dem Kaufe entbinden. Dieses geschieht recht gerne; ISraelite und Nicktisraelite lachen sich in's Fäustchen, und nur der liebe Gott ist — betrogen. — O nicht umsonst heißt es in der Haftara von ^1"M (dem Sabbathe von Pesach): „kann denn ein Mensch Gott hintergehen? .... und mich hintergehet ihr, das ganze Volk!" (Maleach. Z, 8. 9.)