Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3 (März 1857)
- Date
- 1857-03-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3129675-3129778-3129782--1913-3132878- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
12 Ob Nilmudische Aussprüche ntm Dunkel beraus. und steigert sich in der Disposition bis zur wohlthuenden Klarheit und Durchsichtigkeit. Aber nicht nur die Ankündigung, sondern auch die Begrenzung dessen, was gesprochen werden soll, ist genau genommen im Tcrte enthalten, resp. von demselben abbänglg. Der Tert erzeugt das Thema, und die Disposition, in und niil welcher der Prediger, so zu sagen, das Bett grabt, innerhalb dessen der Gedankenftrom sich zu bewegen har Die durch den Tert erzeugte Disposition gewahrt dem Hörenden die Kern-, und dem Sprechenden die eigentlichen Anhalts-Punkte des Kanzelvortrages. Es ist aber leicht ersichtlich, daß die oben erwähnten Functionen des TerteS so lange nicht in ihrer ganzen Bedeutung erscheinen, als sich noch dessen Einfluß nur auf das Formale des Vortrages bemerklich macht und auch hierbei nur secundär wirkt, indem noch immer die Hauptherrschaft über das Formale dem Thema und der Disposition zufällt. Es muß aber immer mehr und mehr dem Terte ein ausgedehnterer, nicht nur mit der Form, sondern mit dem inneren Wesen, und Kern des Kanzelvortraa.es in Verbindung stehender Einfluß zuerkannt werden, welcher in Folgendem zu finden ist. Durch den Aufbau des ganzen Vortrages auf Grundlage des TerteS und durch das Durchschimmern des zu Grunde gelegten Schriftwones im Vortrage wird , das Gesagte und Entwickelte, so innig dem Schriftworte identiiicirt, daß dasselbe als vollgiltiger Ausfluß des im Schriftworte liegenden Sinnes und Gedankens erscheint und mit jener heiligen und gläubigen Ehrfurcht entgegengenommen wird, die der Zuhörerkreis dem Schriftworte selbst zsUt. Der Ttrt ist eine Art Räncherwerk, das den Duft der Heiligkeit über den ganzen Vortrag in allen seinen Richtungen und Beziehnngen ausbreitet. Allein auch hierin erkennen wir noch nicht die volle und eigentliche Function des TertgebraucheS, sondern auch im folgenden Punkte, der vielleicht Manchem noch nie zum sicheren und klaren Bewußtsein gekommen ist. Zn dem Gebrauche des Textes als Grundlage des ganzen Vortrages ist der Gedanke ausgesprochen, daß die Ideen, Anschauungen und Grundsatze der ganzen heiligen Schrift als maß- und normgebend für alles das, was jetzt gesagt, gelehrt, erörtert und vorgebracht wird, sein müsse. Der Text proclamirt die Autorität des G esammtschriftwortes und -geistes, innerhalb dessen der Vortrag sich einzig und allein bewegen soll, bewegen kann, bewegen darf, daß also alle anderen Anschauungen. Ideen und Grundsätze, die mit dem Geiste und Worte der heiligen Bekcuntlußschriften nicht harmvniren, für den jetzt abzuhaltenden