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Der israelitische Volkslehrer · 1857-03-01 · Heft 3 (März 1857) · page 31

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 3 (März 1857)
Date
1857-03-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Rundschau. 103 Auö Kassel wurde uns unter dem Titel; „zur Abwehr von emem Kurhessen israelitischer Confession", eine gut geschriebene Brochüre (Z6. S. bei Bertram) mitqetheilt, worin der Herr General-Superintendent Marnn, der in der ersten Kammer deu Antrag auf Entreissung der politischen Rechte der Juden gestellt und eurchqebracht hat —ein unbeneidenswerther Ruhm für einen protestautischen Geistlichen — in schlagender Weise ,urecht gewiesen und Absvräum geführt wird. Was hilft's? Unsere Widersacher hören nicht auf Gründe. — Interessant bleibt es aber immer, wie die Gegner in Cur- Hessen, und Herr Martin als ihr theologischer Führer, mit einer wahrhast scholastischen Logik, mit einem schlußgerechlcn Nvv die C'manelvalion hinaus dialectisiren Sie sagen: Wem soll man dieselbe vindiciren? den Alten? „ne religiösen Juden wollen keinen Sitz in der Kammer"; den Neuen? sie sind dessen nicht Werth! — Welcher Hohn liegt in diesem Dilemma! — ES Ware in der Thal interessant, eine Geschichte der Gründe zu geben, welche der Judenhaß gegen die Emanzipation ln's Feld geführt! — Wie lächerlich! — Früher war der Talmud ein Obstakel, jetzt muß man gut talmudisch gesinnt sein, um emancipirt zu werden oder zu bleibeil — und doch, wenn wir sagen, wir si n d gut talmudisch, g^bt uns, lasset miö die Gleichberechtigung! so heißt es: „ihr fasset! ein achter Jude will nicht gleichberechtigt sein, und die Ilnächten können wir nicht brauchen!" — O ihr Heuchler, Otterngezüchte, übertünchte Graber — würde Jesus sagen — waS macht ihr Umwege? — Ihr habt die Gewalt; sagt, wir wollen nicht! — Das ist die beste Logik!— Die oben erwähnte Broschüre trifft die Gegner auf dieselbe Weise, nur mit ruhigeren Worten. — Daß ihr Verfasser sich nicht genannt, erscheint uns sehr unrecht! — Offenes Visirl — Mann gegen Mann!— In Turin starb am 18. Januar der Oberrabbiuer Lelio Cantoni in einem Alter von öS Jahren, und nahm, als ein trefflicher Seelenhirte, begeistert und unermüdlich thätig jür das Beste seiner Glaubensgenossen und der Menschheit überhaupt, den Ruf eines Ehrenmannes und großen Wohl? thäterS mit in'S Grab. Mehr als 2NV Wagen folgten dem Leichenzuge. Herr M. Reinach widmet demselben, nach brieflichen und publicistischen Mitthei- Inngen auö Turin, in deu „.^rclüves/' einen tief empfundeneu Nachruf. — Die Bevölkerung nahm an jener Feier so lebhaften Antheil, daß eine Kammersitzung, aus Mangel an zureichender Anzahl der Deputaten, nicht stattfinden konnte. — So ehrt man die Tobten in Turin! Wie behandelt man die Lebenden in Rom? Vovtins! Dieselbe Monatsschrift bringt in ihrem Januarhefte einen interessanten Beleg aus Rom über Fortdauer der Inquisition und der Ghetto's in den Städten jenes hochpriesterlichen Staates. Es ist dieß nämlich ein authentisches Formular von der Inquisition zu Ferrara, womit die dortigen Juden, die zugezahlten (°?chaafe des Ghetto-Stalles, in die Aussenwett entlassen werden; dieses saubere Stück „Christeuliebe" beginnt also: „8i vonesäe Ucen-a.....Hiermit ist dem Cbräer 5k., geboren zu Ferrara, gestattet sich auf die Dauei.- eines Monats;u entfernen, um sich in Handelsgeschäften nach.....zu begeben, jedoch unter der ausdrücklichen Bedingung, daß sein Betragen sich frei halte von jeder Beleidigung, sei es gegen unsere heilige ReUqion, sei es gegen die guten Sitten" (siol >. h. wohl daß er sich nicht den gurkatholischen Räubern anschließe, die im Kirchenstaate einen Vorschmack d^s Paradieses gewähren!) — Sodann wird dem entlassenen Schaaf die Verpachtung aufgebunden, den SchandMel an dem Orte seiner Bestimmung von dem dortigen Bischof oder Inquisitor vistren zu lassen und w der Rückkehr m den Stall ihn Pflichtschuldigst an die gottstatthalterlichm

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