Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1857-03-01 · Heft 3 (März 1857) · page 29

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
6 (1857)
Issue
Heft 3 (März 1857)
Date
1857-03-01
Page
– (sequence 29)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3129675-3129778-3129782--1906-3132871
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

s«. Rundschau. »Nlvpd? p Fra»?furt a. M.—Bekanntlich bestaild dahier in früheren Jahren, in Verbindung mit unserem „ttekZeseK/ ein Pensionat für erstgeborene Th iere (Zyekcniu), die in schauderhaft verwahrloster und verwilderter Gestalt—die einzige Thierciualerei, die mau unter Judeil fand — auf Gemeindekosten erhalten wurden. Dieser Unfug, hier beseitigt, spuckt noch in unferer Umgegend. In einem Orte in Nheinhessen hat sich nämlich jüngst ein solcher Fall ereignet, welcher ein eclatanteS Beispiel gibt, wie jähe, und doch in doppelter Bedeulun^,,u n h a ltb a r " das alte Jubenthum in unseren Tagen sei. Einem jüdischen Metzger wurde ein jnngstgebornes Oechslein des Nachts an die HauSchüre angebunden, mit einem Zettel, dasselbe sei bei einem Juden als „Lootwr" geworfen worden. Der Mann wurde dadurch in große Verlegenheit gesetzt, indem die Priester l^danim des OrteS) erklär? ten, das Thierlein sei heilig und dürft daher weder getödtet, beschädigt, noch fortgethan werden. Was soll nun der unschuldige Gewerbsmann beginnen? Tin Verstoß gegen das Herkommen könnte ihn leicht um den Ruf seiner Frömmigkeit und dadurch um seine Nahrung bringen. Wir sind auf den Ausgang begierig. — Jedenfalls aber ist dieß ein neuer Beweis, von welchen bedauerlichen Jnconvenienzen und schädlichen Einflüssen auf das religiöse Leben jenes System des Talmuds sei, welches Gesetze, die so notorisch nur für Palästina gegeben sind, unter dem Dämmerschimmer der Halbheit auch auf andere Gegenden verpflanzt hat-Was die Sache selbst betrifft, wobei eS besonders darauf ankommt, deu bedrängten Metzger aus der Klemme zu helfen, dem ja leicht durch Feinde mit der ganzen Geschichte nur ein Possen konnte gespielt sein, so geht unsere Ansicht dahin, es müsse der betreffende (vernünftige) Rabbiner, wenn er der Superstition Rechnung tragen muß, eine Aufforderung ergehen lassen, daß der, jedenfalls verdächtige Heranbringer des Thieres bis zu einem gewissen Termine sich zu melden habe, indem alle Folgen auf seine Verantwortung geschoben, und bei seinem ferneren Verborgenbleiben angenommen werden müßte, daß das Ganze ein Betrug sei, und das Thier demgemäß behandelt werden würde. — Mit großer Betrübniß lesen wir aus Paris (in den „^rokivös«), daß im Quartier St. Martin sich ein geselliger Verein (vereis) gebildet habe, dessen Statuten die Juden ausschließen. Da6 ist der Geist der Intoleranz, welche aus jenem wieder erwachenden Fanatismus der christlichen Welt ge-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.