Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3 (März 1857)
- Date
- 1857-03-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Hatsier'S Lesebuch können zugebe», daß ein Buch, das für christliche Schulen ge, schrieben ist, also auch in einem einigen der deutschen „Vaterlänrer" eine unqchrnre Ausbreitung finden kann, dieses „engere Vaterland" vorzüglich behandelt. Vom pädagogischen Standpunkt ist es sogar zu empfehlen, vom S!ä Heren zum Entfernteren fonzuschreiten. Aber ein Buch, das für israelitsche Schulen, und von einem gebornen Bayer, der in Oldenburg als Lehrer angestellt ist, bearbeitet worden, kann ebenso wenig vorzüglich Preußen und das Preußenthum berücksichtigen, als es durch gewisse dort gang und gäbe seiende Loyalitatsbcweise die Gerechtigkeit gegen andere Staaten, nnd selbst kheilweise gegen das Iudenchum, außer Acht lassen darf. Dem aufmerksamen Leser wird diese Ungerechtigkeit nicht entgehen. Können wir, um aufrichtig unsere Meinung auszusprechen, mit gutem Gewissen, alles den sogenannten Freiheitskampf von 1813 Betreffende unterschreiben, wenn wir die Gesinnungen nnd die Handlungsweise Napoleons gegen die Juden mit den heute noch in Preußen herrschenden Ideen gegen dieselben vergleichen? Derartige Mißgriffe zu vermeiden, wäre einfach gewesen, wenn Hecht auch hier das „zerstreute" Israel mehr berücksichtigt halte. Es wäre dies, glauben wir, möglich gewesen, selbst ohne obigem pädagogischen Grundsätze, der allerdings maßgebend ist. untreu zu werden, wenn das deutsche Vaterland als der engere, und die W eltgefchichtc als der weitere Begriff erfaßt worden wäre, zu welchem man voranschreire. — Dies bei Seile gelassen, ist aber auch sonst der Standpunkt der israelitischen Schule, und derer, wofür Haester sein Buch schrieb, ein durchaus verschiedener. An allen Orten, wo israelitische Volksschulen bestehen, kann mehr geleistet werden, und wird nach den Verhältnissen mehr erfordert, als in den von Haester vorzugsweis berücksichtigten Landschulen. Es geht dies schon daraus hervor, daß Haester der sogenannten Völkerkunde, das Wort reder, und das Lesebuch zugleich als Lehrbuch gelten lassen will. Dies gilt für Landschulen, die den Sommer über beinahe gar nichts oder nur sehr wenig leisten können, was nur selten bei Juden der Fall ist. Die Lebenskreise sind da an und für sich weiter gezogen; der Landbau abforbirt die Kinder weniger und an die Schule werden darum mit Recht, höhere Anforderungen gestellt. Wir können jedem Unterrichtszweig eine besondere Stunde gönnen; was auf den geeigneten Inhalt eines Lesebuches sehr inffuirt. Dieses erhält einen erweiterten Gesichtskreis, wird. Einzelheiten weniger berücksichtigend, anziehender, die Darstellung mehr dem kindlichen Sinn, der auch unterhalten sein will, entsprechend,