Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 6 (1857)
- Issue
- Heft 3 (März 1857)
- Date
- 1857-03-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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bearbeitet v. E. Hecht. 93 Es ist mehr denn ein Jahr, als der Schreiber dieser Zeilen aus vorliegenden Blättern Hecht's Vorhaben erfuhr, ein israelitisches Schullesebuch zu schreiben oder zu bearbeiten. Er freute sich dieses Vorhabens. Er versprach sich vieles von dessen Realisirung. Wie sollte ich es läugnen? Während ich Hecht als den Geeignetsten zur Befriedigung eines längst gefühlten Bedürfnisses anerkannte, fühlte ich dennoch bescheidene Zweifel, er möge in einer oder der andern Weise sein Werk für zu leicht halten. Ist nun ein israelitisches Lesebuch überhaupt eine Notwendigkeit? Wir antworten: „Leider ja!" Die israelitische Konfessionsschule ist eine Notwendigkeit geworden, trotz unsern Prinzipien, daß der Elementarunterricht in Communalschulen ercheilt werden soll, denn die Richtung der Zeit hat allen öffentlichen „christlichen" Lehranstalten eine eonfesskonelle, ja orthodox-kirchliche Richtung aufgedrückt. Wir müssen unsere Kinder, so wehe es unö thut, diesen Lehranstalten entziehen, um sie vor schädlichen Einflüssen zu bewahren. Wir müssen eigene Schulen errichten, und in diesen ebenfalls dem confessionellen Charakter ein größeres Gewicht — ein Gegengewicht verleihen. Die Praris enscheidet. Zst nun die israelitische Elementarschule berechtigt, so ist das israelitische Lehrbuch ein Bedürfniß. Die Schule ist ein Organismus. Nichts darf mit dem innersten Wesen eines Organismus im Widerspruch stehen. Die Glieder desselben müssen harmonisch sein, sich von innen heraus nach ureignen Gesetzen entwickeln. Die Schule, die gute Schule schafft sich die ihrem Charakter angemessenen Schulschriften. Das israelitische Schul Lesebuch darf mindestens keinen andern als jüdischen Charakter haben. Es muß das Wahre, Gute und Schöne, die erziehlichen Momente im Geiste, in der Geschichte, in Lehre und Leben des Iudenthums sich aneignen, und seinen Zwecken dienstbar machen. Dabei braucht es freilich nicht, wie auch Hecht in seiner Einleitung sagt, ein „Material zu einer Scheidewand gegen andere Religionsgcnossen (schaften?)" zu bilden. Das Judenthmn, wie wir es auffassen, hat an mid für sich keinen erclusiven Charakter. Betrachten wir das vorliegende, dieser Notwendigkeit sein Entstehen verdankende Werk. Vor allem dürfen wir, ohne den Vorwurf eines mißliebigen Kritikers uns aufzuladen, behaupten, daß der geschätzte Verfasser einen großen Mißgriff beging, indem er Haesters Buch,, als für israelitische Schulzwecke geeignet, bearbeitete. Der Charakter des Judenthums ist vorzüglich eist kosmopolitischer. Man kann sein Vaterland lieben, ohne diesen .durch die Verhältnisse herbeigeführten Charakter zu verleugnen. Haesters Buch aber ist an und für sich ein specisisch preußisches. Wir