Mannheim
Compact Memory

Der israelitische Volkslehrer · 1851-11-01 · Heft 11 (November 1851) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
1 (1851)
Issue
Heft 11 (November 1851)
Date
1851-11-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3129675-3129676-3129688--0265-3132764
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

zu Moses. 249 gleich aufs unzweifelhafteste und klarste kund, wie er doch wohl es vermocht; nein, er bediente eines menschlichen Werkzeugs sich; er ließ seinen ewigen unermeßlichen und unbegreifbaren Geist in das enge, beschrankte menschlich begreifbare Wort sich kleiden und hüllen, auf daß des Menschen Geist ihn auch erfasse. Und die heilige Schrift, die nicht ermüdet, uns zu wiederholen: N „Gott sprach zu Moses", sie will die Lehre WS Bewußtsein uns rufen: seht, hier ist der Wille, hier ist das Wort Gottes, aber durch Moses, einen Menschengeist Euch kund gechan, damit Ihr daraus lernet, nicht Euren Geist zu verläuguen, nicht Eure menschliche Vernunft in Fesseln zu schlagen, sondern mit Eurem Geist, mit Eurer Vernunft hinanzugehen und mit ehrfurchtsvoller Scheu in dem menschlichen Wort den göttlichen Willen, in der vergänglichen Hülle den ewigen Geist zu ergründen und zu erfahre«! — Und wenn wir heute, lieben Freunde, dieses Recht auch sür unsere Zeit, auch für unseren Geist in Anspruch nehmen, nun, so thun wir nichts weiter, als wozu die heil. Schrift selber uns berechtigt, was sie in unfern Tertesw orten uns andeuten und lehren will. Und wurde denn die heilige Schrift zur Zeit, als der Geist in Israel noch thätig war in lebendigem Schaffen, nicht stets also erfaßt? Es lehren uns die Alten: N0Q^> DN'M N'MN ^»2 ^2 7^-^22 „ alle Gebote und Lehren, die dem Moses am Sinai gegeben wurden, sie wurden ihm mit ihren Erläuterungen und Erklärungen gegeben; die Lehren und Gebote schrieb Moses vor seinem Tode nieder und sie bildeten „die geschriebene Lehre"; jene Erklärungen aber und Erläutungen schrieb er nicht nieder, und sie bildeten TIS 71^.71 „die mündliche Lehre," die von Geschlecht zu Geschlecht, von Jahrhundert zu Jahrhundert überliefert und vererbt werden sollte." WaS konnte nun, lieben Freunde, der Zweck dieser mündlichen Überlieferung wohl anders sein, als dem Menschengeiste seine ewige Freiheit, dem Zeitbewußtsein seine heilige Berechtigung unangetastet zu wahren und zu erhalten? Hatte es Israel nimmer gestattet sein sollen, selber zu forschen und zu untersuchen, zu erklären und zu deuten, nun dann hätte wohl der Herr sein Wort klar

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.