Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 9 (September 1851)
- Date
- 1851-09-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3129675-3129676-3129686--0219-3132716- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Der ««ftnthalt im Vaterhaus. heit für sein Vergehen, sie redet ihm ein: V'I'W gestohlenes Wasser schmeckt süß, v^NO on^l heimliche Kost schmeckt angenehm. — Da ist eine fernere Schmeichlerin die Eitelkeit. Sie spiegelt dem Menschen Tugenden vor, die^-er^ar_nicht^M ihm Fehler aus, mit denen er durch und durch behaftet ist. — Da ist weiter eine Schmeichlerin die Selbstsucht. Sie will, daß der Mensch hübsch für sich sorge, für daS Gute sich nicht zu sehr ereifre, nicht in Hitze gerathe, damit der Schweiß nicht zurückschlage, und er keinen Schaden nehme. — Und zu diesen Schmeichlerinnen im Menschen, die alle seiner irdische Natur höfeln, kommt noch die Hauptschmeichlerin, die Verführung von aussen her. Das ist die Schlange mit ihren schillernden Farben; sie zeigt dem Menschen die verbotene Frucht und spricht: „genieß nur! Du wirst nicht sogleich sterben!" — Ist's ein Wunder, daß es dem Sohne draußen so wohl gefällt? — Und nun kommt er heim, und da schmeichelt ihm Niemand mehr. Bittere Vorwürfe von allen Seiten! von innen und aussen! Der Vater fragt ihn mit wenigen, aber tief eindringenden Worten: „warum hast Du mich verlassen?" keine Antwort! — Die Brüder aber, sprechen zu ihm: „warum hast Du uns so wehe gechan? warum uns gekränkt? warum uns draussen verläumdet? warum uns undankbar vergessen? Der Eine von uns war krank; Dich hat's nicht berührt: Du hast unterdessen geschwelgt auf deinen Lotterbetten; ein anderer von uns war arm; Dich hat's nicht berührt; Du hast unterdessen dein Geld, nein, unseres guten Vaters Geld verwendet und verschwendet auf deines Leibes Lust und Wohlleben. Warum hast Du das gethan?" keine Antwort! — Dann kommen die Vorwürfe von innen heraus; N'itt der Löwe schreit; 81" 'v wer sollte sich nicht fürchten? — Da ziehen die Schmeichler sich feige zurück; die finnliche Begier, wie ein Schooßhund verkriecht sie sich; die Eitelkeit verstummt. Aus allen Winkeln aber treten unsere Fehler hervor und sprechen: „Hier sind wir, kannst du uns verleugnen?" und von allen Seiten kommen deine Sünden herbei und rufen: „kennst du mich noch? und mich? und