Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 1 (1851)
- Issue
- Heft 9 (September 1851)
- Date
- 1851-09-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Zvt Die Heimkehr des Sohues. gefangen. — Handelt eS fich von Besitzung der Leidenschaften, von sittlichem Ernst, von einem kräftigen Sinne, der die sinnliche Begierde niederkämpfe: da lächelt die Welt: wozu? wer kann mir's verbieten? bin ich nicht ein freier Mensch? — Mit solchem frevelhaften Leichtsinne werden in der Gegenwart die höchsten Dinge vernommen, beurtheilt, hinweggespöttelt; und dieser Leichtsinn ist auch in deine Mitte gedrungen, o Israel! Deine Männer find von ihm erfüllt; Deine Junglinge find von ihm vergiftet! Was nützt da alle Freiheit, die unsichere Errungenschaft der Gegenwart, wann neben ihr Willkühr und Leichtsinn die göttlichen Errungenschaften Deiner Vergangenheit verscherzen? — So spricht der Versöhnungstag zu uns, mit bitterm Vorwurf, mit schwerem Ernste hier im Heiligthume. Denn hier kommt der reuige Sohn zur Einsicht; der forschende Blick des VaterS trifft ihn; er kann diesen Blick nicht aushalten. Hier macht die Seele ihre Ansprüche geltend „Ja, es ist ein Gott! er beobachtet auch dich! Ja, die Seele ist Geist auS Gattes Geist! sie kann nicht untergehen! Ja, Sittlichkeit und Unschuld sind hohe Güter! Ohne sie gibt eS kein Glück!" So schallt es aus dem Innersten heraus mit überwältigender Kraft. Und das Gewissen übt sein strenges Amt: und feine Schuldforderungen, fällig auf den heutigen Tag, werden unabweisbar vorgehalten. Da kommen wir zur Besinnung; da erfahren wir gleich dem heimgekehrten Sohne, zur Bedrängniß unseres Herzens, den Unterschied zwischen hier und draussen, Haussen leichterSinn, hier schwererErnst! 2. Und draussen süße Schmeichelei, hier bittere Borwürfe. — Denn daß der leichte Sinn die Weltmenschen beherrscht, daran hat die Schmeichelei Schuld, wodurch sie zum Bösen verlockt werden. Da ist die erste Schmeichlerin die sinnliche Begierde, wie Salomo sagt (Spr. 7, 2t): sie lockt ihn mit reichen Worten, durch ihre schmeichlerische Sprache verleitet sie ihn. Sie treibt den Menschen, die Süßigkeit der Sünde zu kosten; sie verspricht ihm Verschwiegen-