Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 9 (September 1852)
- Date
- 1852-09-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3129675-3129690-3129700--0550-3132561- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
W Erfahrungen aus seiner amtlichen Wirksamkeit denn die Erfahrung zeigt, daß die Sträflinge, selbst wenn sie bexetts in dep HnMtt sind, noch ihre Unschuld behauMn wollen. Der Umgang mit diesem befähigten Jünglinge überzeugte mich bald, dD hier ein besserer Erfolg zu erwarten ist. Er folgte dankbar allen meinen Rathschlägen und es zeigte sich bei ihm auch bald eine erfreuliche Richtung, eine Liebe und ein Bestreben zur Vervollkommnung und ein Abscheu gegen den herrschenden Ton der übrigen Sträflinge. Sehr richtig bemerkt Herr v. Jagemann in seiner erwähnten Schrift „zur Rechtsbegründung und Verwirklichung des Grundsatzes der Einzelhaft" (S. 90) : „die wichtigsten Träger „der Gemüthskräfte sind die biblischen, moralischen und. elemeh- „tarischen Nahrungsstoffe." — Diese Wahrheit bewährte sich untrüglich bei diesem, für das Gute empfänglichen Gemüthe. Der junge Mann wurde geistig aufgerichtet durch die Beschäftigung mit der Bibel und der hebr. Sprache und vervollkommnete sich durch eignes Nachdenken und einige Nachhülfe so sehr, daß er die ertheilte Religionslehre, so wie Briefe, aus freiem Antriebe in die hebräische Sprache übertrug. — Auch in den Realien blieb er nicht zurück; er wurde in der Elementarlehre der Anstalt bald der Beste und erlernte, mit Erlaubniß des Vorstandes, überd;eß bei Sträflingen das Zeichnen und die engliHe Sprache. Bei seinen Porgesetzten wußte er sich durch ein ruhiges, gesittetes Betragen, durch Fleiß und Brauchbarkeit so beliebt zu machen, daß ihm, gleich Joseph in Egypten, die Aufsicht über eine Anzahl Sträflinge übertragen wurde. — Er befindet sich gegenwärtig noch in dieser Anstalt, seit einiger Zeit körperlich leidend; und konnte er auch seine Sinnesänderung im Leben und in der Freiheit noch nicht bewähren, so möchte ich doch seine gründliche Besserung als unzweifelhaft nehmen. — Zu derselben Rubxik (wegen Diebstahls) gehört ein geistig und moralisch verwahrloster, wegen des 4. Diebstahls verurtheilter Verbrecher. — Die Ursache dieser ungewöhnlichen Erscheinung darf aber, wie dies sonst bei so hartnäckig fortgesetztem Verbrechen anzunehmen wäre, weniger in Angewöhnung und Leidenschaft für den Diebstahl, als in der eigentümlichen Lage des Verbrechers gesucht werden. Dieser, bereits 50 Jahre alte, Mensch