Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 8 (August 1852)
- Date
- 1852-08-01
- Page
- – (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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200 Predigt. Was ist Sünde? trägt im Bewußtsein, dem Gebeugten die Sorgenbürde erleichtert, seine Thränen getrocknet zu haben? Warum liebst du den jungen Menschen, der zu seinem greisen Vater spricht: Vater! Du hast nun genug gearbeitet, laß ruhen die müde Hand, nun werde ich für Dich sorgen und schaffen? warum achtest du jene Tochter so hoch, welche Nächte durchwacht um unermüdet die schwache kranke Mutter zu pflegen? Warum fühlst du dich so zufrieden, so glücklich, wenn du dein kärgliches Brod mit dem Hungrigen Heilest, wenn du das Deinige hingibst, um den Nackten zu kleiden? Sage, kann die Erde mit ihren körperlichen Genüssen, mit ihren sinnlichen Freuden dir eine solche Zufriedenheit, eine solche Glückseligkeit bieten? — Warum macht die Selbstverleugnung dich so zufrieden? die Selbstaufopferung zum Wohle Anderer dich so glücklich, so selig?— Sieh', Mensch! deßhalb weil du dich dann in dem Lebensgebiete fühlst, für welches du bestimmt und erkoren bist; du fühlst dich, ohne daß du es mit kalten Worten dir klar zu machen hast, du fühlst dich auf derjenigen Stufe, für welche der himmlische Schöpfer dich schuf, auf welcher mit Freiheit du dich behaupte» sollst, auf welcher du wirkst wie Gott im Himmel wirkt, auf welcher du eine Welt erhalten aber nicht zerstören willst, auf welcher du dich fühlst als Ebenbild Gottes! — Steigst du aber von dieser Stufe herab, ist das Bild deines Lebens nicht die Selbstverleugnung, sondern nur die Selbstsucht, sieh' dann trittst du heraus aus dem Lebensgebiete, für welches der Schöpser dich bestimmte, du handelst gegen deine Bestimmung, du sündigst. — Dieses ist Sünde: wenn dein Leben nicht höher steht, als das Leben aller übrigen Geschöpfe; wenn du den Beruf deines Daseins nicht mehr darin erkennst, eine Welt zu erhalten, sondern eine Welt zu zerstören, — dann verfehlst du den Weg. welchen die Vorsehung dir anwies, du — sündigst.— Durch die Sünde trittst du zwar nicht heraus aus dem Kreise der Gott angchörigen Dinge, denn auch die Natur ist von Gott geschaffen, auch sie ruht in Gott; aber aus dem Kreise des Menschlichen bist du getreten, du bist dann nicht mehr Mensch, sondern Thier; in dir ist der göttliche Fukke, der Geist, erloschen, du hast verloren das Ebenbild Gottes. Als Mensch bist du todt, du athmest nur noch als Thier. Aber