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Der israelitische Volkslehrer · 1852-08-01 · Heft 8 (August 1852) · page 23

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
2 (1852)
Issue
Heft 8 (August 1852)
Date
1852-08-01
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Predigt. Was ist Sünde? 199 hin und lös't auf und verschlingt, was es erreicht; das Feuer frißt und verzehrt was sich ihm bietet; die Naturkräfte wollen sich behaupten. Die Pflanze trinkt mit gierigen Saugwnrzeln die Nahrungssäfte des Bodens; die Raupe zernagt die Pflanze; schonungslos frißt der Wurm Blüthen und Früchte; den schönen munteren Schmetterling erhascht der kleine Vogel, während in das grasende Lämmchen der Adler blutig seine Krallen bohrt. Das hüpfende Reh wird die Beute des Wolfs und auf den mächtigen Stier stürzt noch mächtiger der Löwe sich. Das vernunftlose Naturgeschöpf will, soll, muß sich behaupten; dieses kann es aber nur, wenn es andere Geschöpfe zerstört; es spricht : für mich ist die Welt da! — Der Allmächtige spricht : nicht für mich ist die Welt da, ich bedarf ihrer nicht, aber sie bedarf meiner; wende ich mein Antlitz weg, so schwinden sie, sie fallen dem Nichts anHeim. Zwischen der vernunftlosen Schöpfung und dem allweisen Schöpfer stehet der Mensch, mit seinem Fuße auf der Erde, mit seinem Haupte den Himmel berührend; sein Körper gehört der vernunftlosen Schöpfung an, sein Geist aber, geschaffen nach dem Ebenbilde Gottes, findet seine Bestimmung in demjenigen Streben, welches dein des Körpers gerade entgegengesetzt ist. Der Körper will die Welt zerstören, um sich zu behaupten, der Geist will die Welt erhalten, um sich zu behaupten. Sieh'! den Durst deines Geistes nach Forschen^ nach Erkennen und Wissen kannst du nur dann stillen, wenn du die Erscheinungen der Welt festhältst, wenn du sie schützest, daß sie dir nicht zerstört werden. Ist das Geschöpf zerstört, dann kannst du es nicht mehr erkennen, jener Durst bleibt ungestillt. Sieh'! deine wahre Wonne, deine himmlische Glückseligkeit findest du nur dann, wenn du dir sagen darfst: ich habe ein Wesen der Schöpfung erhalten! Warum freuest du dich, wenn durch dein Begießen die verwelkte Blume wieder frisch und kräftig ihre Blätter erhebt? warum freuest du dich wenn im Winter der hungrige Vogel die Brookrümchen aufpickt, welche deine Hand ihm streute? — Warum fnhlst du dich empört bei dem Anblicke der rohen Thierquälerei? oder gar der Mißhandlung eines schuldlosen Menschen? Hast du noch ^nie empfunden das erhebende Gefühl, welches empor zu Engeln dich

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