Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 8 (August 1852)
- Date
- 1852-08-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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198 Predigt. Was ist Sünde? nunft begabt, so l l seine Bestimmung erfüllen, aber er kann auch gegen seine Bestimmung handeln, er besitzt Freiheit, er hat das Vermögen seiner Bestimmung gemäß — aber auch gegen diese Bestimmung zu handeln und das zu vollziehen, was seine Vernunft ihm verbietet. Das vernunftlose Geschöpf kann nicht sündigen, es lebt stets seiner Bestimmung gemäß; das Schaf nährt sich vom Grase, der Tiger vom Fleische zu jeder Zeit, an jedem Orte; der Mensch aber kann sündigen, er kann den Weg verlassen, den er als Mensch wandeln soll und kann den des Thieres betreten. — „Den Menschen schuf der Allmächtige in seinem Ebenbilde, im Ebenbilde des Allmächtigen schuf er ihn„(1 Mos. 1, 27.) Nur den Menschen krönte der Schöpfer mit diesem Vorzuge, kein anderes Wesen auf Erden; die Darstellung dieses göttlichen Ebenbildes ist somit unserer Bestimmung, der Beruf unsers Lebens. Mensch, du bist nach dem Ebenbilde.Gottes geschaffen, dein Wirken hienieden sei ähnlich dem Wirken des höchsten Wesens. Sieh! Gott ist Schöpser, auch dein Geist sei Schöpfer durch Benutzung der Naturkräfte, Schöpfer im Gebiete der Kunst, Schöpfer im Hervorbringen edler Werke. Du bist nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen: Gott beherrscht die Welt und lenkt sie nach seiner Weisheit; sieh! dein Leben ist eine Welt im Kleinen, beherrsche sie nach deiner Weisheit, nach Vernunft und Gewissen. Du bist nach dem Ebenbilde Gottes geschaffen! Der Allmächtige schafft täglich neue Wesen — nicht zu seinem Nutzen, nicht für seine Glückseligkeit, o das vollkommenste Wesen kann nicht vollkommner werden, als es schon ist; nein, zum Nutzen und zur Glückseligkeitfeiner Geschöpfe selbst. Also, Mensch, solst auch du wirken und schaffen, nicht nur für deinen Nutzen, für deine Glückseligkeit, sondern zum Nutzen und zur Glückseligkeit deiner Mitgeschöpfe auf Erden. Sieh! zu diesem erhabenen Standpunkte kann kein anderes Geschöpf auf Erden sich emporschwingen. Alle anderen Geschöpfe behaupten ihr Dasein dadurch, daß sie das Dasein anderer Wesen zerstören und aufopfern, der Menschengeist dagegen behauptet sich, indem er andere Wesen zu erhalten sucht und sich ihnen opfern will. Es lastet der Stein auf dem Boden' und drückt mit seinem Gewichte schonungslos nieder, was unter ihm sich befindet; er will sich behaupten. Das Wasser strömt