Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 8 (August 1852)
- Date
- 1852-08-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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178 Erfahrungen aus seiner amtlichen Wirksamkeit So wird gewiß auch der Räch eines tüchtigen Arztes im gesunden Zustande Vieles zur Verhütung von Krankheiten beitragen; man erkennt aber dieses Wirken erst, wenn die ärztliche Kunst durch Heilung vorhandner Leiden sich bewährt hat; ebenso kann auch der Se-elenarzt da seine Wissenschaft am untrüglichsten kund thun, wo die Gemüths- und Geistes - Richtung bereits einen krankhaften Charakter angenommen. — Wenn ich nun auch weit davon entfernt bin, mir hier besondere Verdienste vindiziren zu wollen, so kann ich doch, ohne unbescheiden zu sein, das behaupten, daß ich mehr als viele andre meiner Herren College« Gelegenheit zu solchem Wirken gefunden, und daß ich es dabei an Fleiß und gutem Willen nicht fehlen ließ. Seit zwölf Jahren habe ich nämlich außer dem gewöhnlichen Berufe eines Theologen noch die besondre Aufgabe, die religiöse Pflege der isr. Sträflinge in den hiesigen Anstalten zu leiten. Es ist hier für psychologische Beobachtung und Pastorales Wirken reiches Material geboten; und erlaube ich mir, in nachfolgenden Blättern meine bisherigen Beobachtungen zusammenzustellen, die Schwächen und betrübenden Erfahrungen ebensowenig verschweigend, als ich aus Liebe zur Wahrheit und im Interesse der Wissenschaft die -besseren Erfolge anzuführen unterlassen werde. Obgleich ich diese Beobachtungen namentlicher meine Herrn Collegen von Interesse halte, so -würde ich es-dennoch nicht gewagthaben, diese Mittheilungen hier einem größeren Kreise vorzulegen, wenn mich der sehr geehrte Herr Herausgeber dieser Blätter nicht darum ersucht hätte.*) — Bevor ich jedoch auf die Sache selbst eingehe, erlaube ich mir einige Worte der Verständigung über das Prinzip der Stra-fe und ihre verschiedene Anwendung vorauszusenden. S) Ich war unterdessen selbst in Bruchsal und habe mich aus der Art und Weise, wie Herr Präger mit den Gefangenen verkehrt, sowie aus )dem Vertrauen und der Hochachtung, womit sowohl diese als das Hauspersonal überhaupt demselben begegnet, von dessen anerkannt segensvoller Wirksamkeit überzeugt. Dieses, nnd ganz besonders der ebenso humane als praktische Vorschlag, in welchen die vorliegende Darstellung auslauft, bestärkte mich umsomehr, und ich zweifele nicht daran, zur Zufriedenheit aller Leser, Herrn Präger zur Veröffentlichung seiner Erfahrungen zu veranlassen. Anm. d. Red.