Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1852)
- Date
- 1852-06-01
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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183 Du sollst Vater und Mutter ehren. beugt vor einem höheren Wesen, wie er den Vater im Himmel kindlich verehret, ihm danket, ihm dienet, ihm sich unterordnet : ein solcher Sohn wird picht nur selbst g o ttes für cht ig werden, sondern es wird unvermerkt und unbewußt ein Strahl von Gott auf die Eltern übergehen; das Kind wird die Idee der Unterordnung unter eine höhere väterliche Gewalt ehrfürchtend auf Dich, o Vater, mit übergehen lassen, und kindlicher Gehorsam und tiefempfundene Dankbarkeit für unverdiente Gaben werden aus der unerschöpflichen Quelle der Religion ihren erfrischenden Inhalt ewig erneuern. Während wenn — Gott bewahre uns, es zu erleben! — wenn der Glaube an ein höheres Wesen, die Ehrfurcht und heilige Scheu vor dem himmlischen Vater mehr und mehr unter uns ersterben sollte, die Kinder ihre Eltern nie von einer Anerkennung des allgütigen Gebers und seiner manichfaltigen Gaben durchdrungen und ergriffen sähen: da würde sich bald in unserem Geschlechte die Undankbarkeit der Eltern gegen Gott im Undanke der Kinder gegen die Eltern wiederspiegeln, würde bald die mangelnde Gottesfurcht in der mangelnden Elternsurcht, namentlich bei den heranreisenden Kindern, ihren traurigen Ausdruck finden. War's ja schon einmal so in Israel; leset die Propheten, höret ihre Donnerworte gegen eine verderbte Zeit, wo Anmaßung und Keckheit das junge Geschlecht bezeichneten, wo der Jüngling sich über das ehrwürdige Haupt erhob *)?s?Q — und ihr werdet finden und werdet hören, daß diese Zeiten, worin der Vater selbst dem Sohne das Beispiel sittlicher Entartung gab**), zugleich die Zeiten der Gottvergessenheit und Gottlosigkeit waren. Das hat sich später gebessert, überaus gebessert; aber glaubet ja nicht, daß das innige Familienleben unserer Vorfahren lediglich eine Folge des Druckes war; sondern seid versichert, daß zu seiner Weihe und Innigkeit die Religion das Meiste gethan. Denn es hat in dieser Richtung der herrschend werdende Talmud das mosaische Gesetz in der würdigsten Weise ausgebaut; und wenn er sagt: iM'tt worin besteht die kindliche Ehrfurcht? Nvl)) ») Zesaias 3, 5. — Amos 2, 7.