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Der israelitische Volkslehrer · 1852-05-01 · Heft 5 (Mai 1852) · page 18

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
2 (1852)
Issue
Heft 5 (Mai 1852)
Date
1852-05-01
Page
– (sequence 18)
Language
German
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Vor Gott gilt keine Stellvertretung. die Gabe, welche du reichst, sie wird dir nicht zur Tugend angerechnet vor Gott. Denn ein Greuel ist ihm solch Sündenopfer, das man darbringt nicht auf dem Altare der leidenden Mitmenschen, fondern auf dem Altare eines Seelenvergiftenden, Gewissenbetäubenden Götzen. — Geöffnet sei darum unsere m. l. Zuh>, gerne und willig dem bedürftigen Brüder, der bedrängten Schwester. Die Thräne des Dankes, die in dem Auge des Unglücklichen ob deiner liebevollen Teilnahme freiwillig und unwillkürlich glänzt, sie ist eine ächte Perle, die einst strahlen wird in dem Kranze, den du dir hienieden erwirbst. Und wenn du auch von deinen Z e h n nur Eins opfern kannst zur Linderung der Noch deiner gedrückten Mitmenschen — deine Gabe hat genau denselben Werth, dieselbe Größe vor Gott wie die Hunderte, die derjenige spendet, der über Tausende zu verfügen hat; denn unser Gott ist gerecht, und was du selbst leistest und thust, ob es groß ist oder klein, wenn es nur nach deinen Verhältnissen ist, und frei von Eigennutz mit liebevollem Wohlgefallen gegeben wird, das nimmt Gott freudig an. Was du selbst leistest in der Anstrebung des Guten, in der Läuterung deiner Natur vom Bösen — Gott nimmt es gnädig auf als das schönste Opfer. Ferne aber bleibe von uns jener wahnwitzige Aberglaube, der unfern reinen Gottesglauben entwürdigen und uns selber sittlich vergiften würde, der Aberglaube, daß Tugend und Frömmigkeit gleich einer Waare von dem Einen übergetragen werden auf den Andern; daß Geld die Himmelspforte öffnen und schnöder Sündensold das Auge unseres unbestechlichen göttlichen Richters blenden könnte. Gott bestraft nicht den Unschuldigen an Statt des Schuldigen; aber er lohnt auch nicht den Schuldigen mit .dem, was den Unschuldigen gebührt. — „Das Böse was du gethan, kann kein Anderer für dich bezahlen; das Gute was du zu thun hast, kann kein Anderer M der Mann! denn vor Gott gilt keine Stell Vertretung!" — In diesem Glauben, m. l. Zuh., wollen wir leben; selig sind wir dann in unserm Sterben! Amen.

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