Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Vor Gott gilt keine Stellvertretung. 128 lehre nach dem klaren Gottesworte so leuchtend entgegensteht, hier und da auch in Israel begegnen. — Ist dem sinnlichen Menschen doch der Gedanke so süß, ungestört zu leben nach den Gelüsten seines Herzens und in durstigen Zügen aus dem Becher der Freude zu trinken! Ist es doch so vortheilhast, so einträglich, keinen Weg scheuen zu müssen, auf welchem die Habe vermehrt, das Besitzthum erweitert werden könnte! Verboten zwar sind gar manche jener Genüsse, verboten gar manche auch der Wege; doch nicht allwissend ja und auch nicht allmächtig sind die Handhaber der weltlichen Gerechtigkeit. Wenn nur das eigene Gewissen, dieser ungestüme lästige Mahner, der uns überallhin begleitet, der selbst wenn wir zur Ruhe uns niederlegen, mit uns das Lager besteigt—wenn nur dieses Gewissen beschwichtigt und zum Schweigen gebracht werden könnte! Und auf welches Mittel ist menschlicher Wahnwitz besonders in den letzten dunkeln Jahrhunderten auch in Israel verfallen?! Da werden ein und zwei, ja zehn Personen bestellt, die angeblichen Ueberfluß haben an Verdienstlichkeit vor Gott, auf daß sie Tag für Tag nach ihrer Weise Psalmen singen und Mischna lernen für den spendenden Patron; und — kann es sich dann fehlen? die Verdienstlichkeit, NM, dieser armen Frommen, die daran so vielen Ueberfluß haben, daß sie an Kauflustige gerne davon abtreten, — sie kömmt zu Gute den frommen Gebern, und der Sünden mancherlei werden dadurch getilgt aus dem großen Schuldbuche droben. Ein Seelenverderbender Aberglaube das! Verwerflicher Handel, der mit dem Heiligsten getrieben wird! Freilich sind es in der Regel hülfsbedürftige Menschen, die auf diese Weise zugleich unterstützt werden. Aber nicht auf das Opfer sieht Gott, sondern auf die Gesinnung des Opfernden, auf die Absicht, welche er dabei hegt, auf den Beweggrund, der ihn dabei leitet. Gibst du darum deine Thaler, damit statt deiner ein Anderer lernt, betet und fastet; damit das Verdienst des Andern deine Sündhaftigkeit überwiege und dich rette am Tage des Gerichts; — dann ist deine Gesinnung eine grundverderbte; dann häufest du Vergehen zu deinen Sünden, und II., 10