Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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122 Vor Gott gilt keine Stellvertretung. kein Unrecht mehr thut; — so soll er leben und nicht sterjben. O^yn (Ps. 25, 8.) Gütig ist Gott, und darum will er nicht strafen; er ist aber auch gerecht und kann und will darum die Sünde nicht ungeahndet lassen. Was chut Gott, um diesen beiden Eigenschaften zu genügen? Er zeigt dem sündigen Menschen den Weg der I'esekuda, auf dem die Sünde getilgt, auf dem die durch unsere Vergehungen aufgerichteten Schranken, die das Walten der göttlichen Güte hemmten, weggenommen werden. Das, m. and. Zuh., ist Israels unverfälschte Lehre. Gott ist gerecht und barmherzig zugleich! Aber er ist nicht ungerecht gegen den Einen, um barmherzig zu sein gegen Andere. — Das wäre nicht der wahre Gott, nicht der Gott Israels. — II. Bor Gott gilt keine Stellvertretung. — Das Höchste, was nach dem Gottesglauben eine Religion bietet, ist unbestritten die Versöhnung des sündigen Menschen mit Gott. Die Art und Weise, wie diese Versöhnung bewirkt werden soll, das ist ein Probierstein, daran man die Stufe erkennt, auf welcher ein Religionsbekenntniß steht. Und die erhabene Versöhnungslehre, wie sie unsere Religion — nach dem, was wir eben vernommen haben — vor Jahrtausenden schon verkündigte, sie allein entspricht den ewigen Denkgesetzen des menschlichen Geistes, sie allein vermag unser nur allzuoft Vergebungs- und Versöhnungsbedürftiges Herz wahrhaft zu befriedigen. Die edelsten und zugleich hellsten Geister außerhalb unseres Bekenntnisses haben daher stets gerungen, dieser unserer Versöhnungslehre allgemeine Anerkennung und Geltung zu verschaffen; doch ihr Ringen war vergebens und mußte auf dem Boden, auf welchem sie rangen, vergebens bleiben. Israel allein hat — wie seinen Gottesglauben — so auch diese große Lehre in ihrer Reinheit und Lauterkeit gerettet; Israel mag dieses herrlichen Schatzes sich rühmen vor aller Welt. — Um so schmerzlicher ist es daher, wenn wir auch nur einem Schattenbilde jenes Aberglaubens, dem unsere VersöhnuNgs-