Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129690-3129696--0437-3132444- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Vor Gott gilt keine Stellvertretung. 119 Wie groß und erzürnend nun aber auch demnach dieses Vergehen war, größer noch ist die erbarmende Gnade Gottes gegen den reuevollen Sünder. Und ^vird Israels Abtrünnigkeit nothwendig niederschlagende Gedanken und Vorstellungen von der menschlichen Schwäche und Verkehrtheit in uns erzeugen: so soll die vergebende Barmherzigkeit Gottes, die selbst den bußfertigen Götzendiener nicht ausschließt, wie ein talmudischer Lehrer (^.d. sara. Bl. 4) bereits angemerkt hat, unser Gemüth wieder aufrichten und auch dem weit Abgeirrten den Weg zur Umkehr andeuten, auch dem tief Gesunkenen die Möglichkeit der Wiedererhebung veranschaulichen. Soll jedoch diese gezeigte Möglichkeit der Wiedererlangung der göttlichen Gnade für uns zur Wirklichkeit werden können; so müssen wir uns hüten, daß wir nicht auf falschen Wegen dieses Ziel zu erreichen suchen; selbst und mit aller Krastanstrenguug müssen wir auf die Wiederherstellung unseres gestörten Verhältnisses zu Gott bedacht sein, denn vor Gott gilt keine Stellvertretung! Das ist die bedeutsame Lehre, die uns hier als Wegweiser dienen muß, wenn wir nicht abirren, wenn wir das erwünschte Ziel der Versöhnung mit Gott nicht verfehlen wollen. — Denn das Böse, was wir gethan, kann kein Anderer für uns bezahlen; das Gute, was wir zu thun haben, kann kein Anderer für uns leisten — Selber ist der Mann! — Suchen wir daher heute diesen Gedanken aus unseren Tertesworten zu entwickeln und seinen wichtigen Inhalt uns klar zu machen. — Möge unter Gottes Beistand auch unsere jetzige Betrachtung dazu beitragen, daß wir die Erhabenheit und Lauterkeit unserer jüdischen Glaubenslehre immer mehr erkennen, auf daß sie mit heiliger Ehrfurcht unsere Seele erfülle, auf daß sie immerdar eine Leuchte sei unserem Fuß und ein Licht auf unserem Wege. Amen. I. Bor Gott gilt keine Stellvertretung. — Moses bittet wiederholt zu Gott um Vergebung für die schweren Sünden, die sich Israel durch die Anbetung des güldenen Götzen hat zu Schulden