Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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114 Die Reform bei den Israeliten auf dem Lande. zur Selbsternährung, sondern es wächst auch das Ehr- und Selbstgefühl, sich, soweit und so lange nur immer möglich, nicht von Anderen ernähren zu lassen. Diese Erscheinung zeigt sich in der Stadt wie aus dem Lande; und Gott hat mich beglückt, diese doppelte Erfahrung, in Stadt und Land, zu machen. In unserer hiesigen Gemeinde haben wir nächst Gott — und sind etwa Bildung und Aufklärung nicht auch Segnungen Gottes? — das Abnehmen des Proletariats undderArmuth unter den Israeliten der Blüthe unseres Schulwesens, der zunehmenden Bildung und Intelligenz in der Gemeinde zu verdanken, indem seit vierzig Jahren unsere strebenden Jünglinge, und insbesondere die aus gedrückteren Verhältnissen sich emporarbeiten müssenden, von denen schon viele jetzt als geachtete, wohlhabende nnd reiche Männer unter uns dastehen, durch Bildung zum Selbstbewußtsein gelangen, und so von Jahrzehend zu Jahrzehend — dafür sei Gott gelobt! — in steigender Anzahl Nehmende zu Gebenden werden. Man könnte meinen, das bewirke die Gunst Frankfurts, der städtischen Verhältnisse; allein ich habe Ihnen oben schon angedeutet, daß ich dieselbe freudige Erfahrung auch in meinem früheren Amtsbezirke gemacht. In meinem früheren ländlichen Rabbinate nämlich in Baiern, in den achtbaren Gemeinden Burg¬ und Altenkundstadt, haben in Folge eines fortgeschrittenen Bildungszustandes und des mit demselben immer verbundenen Weiterstrebens und Unternehmungsgeistes Handel und Gewerbe unter den Juden den merklichsten Aufschwung genommen; es hat sich, trotz dem Drucke eines wahrhast unmenschlichen Matrikelgesetzes, die jüdische Familienzahl in beiden Gemeinden im Lause von vier Jahrzehenden fast verdoppelt; es hat die Armuth bedeutend abgenommen; es ist die Bettelei gänzlich aus jenen Gemeinden verschwunden; und wenn in Folge der bürgerlichen Zustände auch dort die Auswanderung zunimmt, so hat der Unternehmungsgeist durch Handelsverbindungen mit den Ausgewanderten auch diesen Umstand zu einer Quelle des Wohlstandes für jene Gegend gemacht. — Im schreienden Gegensatze zu diesen gesegneten Verhältnissen erblicke ich hier von Monat zu Monat, UNN Schaaren jüdischer Bettler, Männer, Frauen und auch Jugend, welche,