Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Die Reform bei den Israeliten auf dem Lande. 115 in widerlicher Erscheinung, wie Lazzaroni die Straßen und Häuser belagern. Seien Sie versichert, mein Freund, daß dieser traurige Anblick sich nur in demselben Grade vermindern kann, als mehr lichte Funken in diese dunklen Massen eindringen; seien Sie versichert, daß der religiöse Schlendrian nur zu oft mit dem bürgerlichen Schlendriane Arm in Arm, namentlich in den Dörfern umherschlendert. Wer sich von jenem losreißt, der hat den Much, auch hier mit dem angeerbten Mißbrauch zu brechen; während die Trübheit des religiösen Vorurtheils — es gilt dies von Juden und Christen gleichmäßig — auch auf die bürgerlichen Lebensverhältnisse trübend einwirkt. Dazu kommt noch ganz besonders Das, worauf ich oben hingewiesen, daß die äußerlichen Religionsformen in ihrer, auf ganz andere Lebenszustände berechneten, abstoßenden und abschließenden Weise die Israeliten auf dem Lande, wo jene Kruste um das lautere Wesen unserer heiligen Religion noch am Härtesten ist, vielfältig hindern, sich von dem ausgetretenen, in der Gegenwart nicht mehr gangbaren Wege der Väter zu entfernen. Wie mancher gewissenhaste jüdische Familienvater auf dem Lande geht deshalb schwer daran, seinen Sohn ein bürgerliches Gewerbe erlernen zu lassen, weil er fürchtet, er könne auf der Wanderschaft diese und jene religiöse Observanz nicht beobachten. Hier kann nur durch Bildung und Aufklärung, deren Strom durch die Kanäle der Volks- und Jugendlehrer auch in das offene Land befruchtend geleitet werde, Abhülfe entstehen. Es ist gewiß wahr, mein Freund! auch der christliche Bauer wird sich durch Licht und aufklärende Gedanken selbst in seinem irdischen Tagewerke gefördert finden; allein auch ohne dieses wird das Feld bestellt werden, wie es seit Jahrhunderten geschehen ist. Bei den jüdischen Landleuten aber, deren Lebensverhältnisse auf ganz anderen und zwar veränderlichen Bedingungen beruhen und sich mehr denen des Städters nähern, da muß die Stabilität, das Halten am Hergebrachten, nothwendig verderblich werden; da kann nur durch bessere, namentlich religiöse Bildung eine Verbesserung der Zustände, Verhütung der Armuth und allmähliche Vernichtung des verderblichen Bettelwesenö herbeigeführt werden. Das ist meine tiefe, auf Vernunft und Erfahrung gegründete Ueber-