Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3129675-3129690-3129696--0431-3132438- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Reform bei den Israeliten auf dem Lande. 113 welchen eine unwürdige Gottesdienstweise mit jenem heiligen Spruche tagtäglich treibt! — Wie? steht etwa der Bauer an Bildung, im Wissen und in der Sitte, höher als der Landjude? Gewiß nicht! — Und in so heiliger Angelegenheit, in der öffentlichen Verehrung des Höchsten, sollte der Bauer fortwährend ein gegründetes Recht haben auf seinen jüdischen Mitbruder mit Geringschätzung herabzublicken, und — daß ich's nur gerade heraussage — die Judenschule, unser Heiligthum, zum Gegenstande seines Spottliedes zu machen? O^O^N n:^1 ^Z2^>?— Sollte es> frage ich Sie, sollte es den Rabbinern und Lehrern so schwer fallen, in den jüdischen Landleuten das wachzurufen, was in uns Allen ein so mächtiger Hebel ist, das Ehrgefühl? Sucht nicht auch der Landjude die Seinigen an Feiertagen festlich, an Werktagen ehrbar zu kleiden? und der Rock, welchen die Religion an hat, das ist der öffentliche Cultus, der sollte an Sabbath- und an Werktagen so schlecht beschaffen, so mit entstellenden Flecken behastet sein, daß sie rings, mit Fingern auf uns deuten? — Sie sagen mir dagegen, woher die Mittel nehmen, um den besseren Gottesdienst, Chorgesang und was dazu gehört, in einer kleinen Dorfgemeinde zu gründen, zu erhakten? — Dieser Einwurf wäre gerecht, wenn Ordnung und Anstand Geld kosteten; allein so kostbar diese Erfordernisse sind, so verlangen sie doch keinen äußerlichen Aufwand, denn sie stammen von i n nen her; ja, und selbst eine singende Gemeinde —^erfreuliche Beweise liegen uns vor — kann ein braver Lehrer, von dem Rabbiner angefeuert, aus der Jugend sich heranbilden, welche dann einst eine Schutzwehr für die bessere Ordnung wird; NNO' O^ll O^l)) 'SN - Doch ich begleite Sie, mein lieber Freund, aus der Synagoge ins Leben hinaus, um Ihnen meinen Satz, daß auch der israelitische Landmann bei nnserer Reform müsse berücksichtigt und in den Kreis der Bewegung gezogen werden, weiter auszuführen. Ich muß auch hier eine allgemeine Bemerkung vorausschicken. Es ist überall wahrzunehmen, daß, wo unter den Israeliten Bildung und Ausklärung zunehmen, in demselben Grade Proletariat und Bettelei abnehmen. Es ist dies auch leicht erklärlich. Denn mit der Bildung wachsen nicht nur die Mittel