Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1852)
- Date
- 1852-05-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129690-3129696--0428-3132435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
U0 Die Reform bei den Israeliten auf dem Lande. meinden Israels unterscheide. Dasselbe erklärte und erklärt heute noch die jüdische Reform gemeinde in Berlin. Wenn Sie die jüngst erschienenen Predigten Holdheim's vergleichen, die er specifisch „jüdische Predigten" nennt, so wird Sie, und ich theile hier ihre Gefühle, gar Manches, was die ererbte Form betrifft, abstoßen; aber der positive Standpunkt, welchen der Verfasser dennoch einzunehmen bestrebt ist, und das entschiedene Geltendmachen der heiligen Lehren von Gott, Offenbarung, Unsterblichkeit und messianischer Hoffnung, die mit Begeisterung verkündet werden, läßt uns mit Freude in dem Verfasser den israelitischen Prediger erkennen, welcher sich den heimatlichen Boden nicht nehmen läßt. Während nun die ertreme Reform das Wesen festhält, gibt die ertreme Orthodoxie die Notwendigkeit einer zeitgemäßeren Gestaltung der Form schon zu. So hat die hiesige Orthodorie vor ungefähr zwei Jahren ein uns vorliegendes, gedrucktes Schreiben in der Gemeinde Verbreitet, worin sie — hört! — einen den fortgeschrittenen Anforderungen der Zeit entsprechenden Gottesdienst, sowie eine derartige Einrichtung der religiösen Anstalten, daß sie dem Geschmacke und dem Zartgefühl unserer gegenwärtigen Generation keinen Anstoß geben — so steht's geschrieben! — als „wirksamste und kräftigste Mittel," als „Grundzüge ihres Wollens und Strebens" kundthut und anerkennet. Welche Zugeständnisse! und welche Berge von Consequenzen — O^N - lassen sich daraus ziehen! Staunen Sie nicht darüber? Wer hat den Orthodoren diese Concessionen, wer hat ihnen dieses unwiderstehliche A m e n — 7Qtt NU' - wer hat's ihnen abgerungen? die Zeit! das Leben! — Das nun ist der hohe Vorzug der jüdi schen Reform, daß das Leben mit reformirt, daß sein gewaltiger Strom eben an der äußeren Form wegspült und wegreißt, was ihm entgegensteht. — Man kann ein überstrenger Katholik, man kann ein in die pietistische Richtung ganz versenkter Protestant sein, und dabei ohne besondere Störung Geschäft und Gewerb durch aller Herrn Länder treiben — aber auch ein hpperorthodorer Jude? — nein! — Denn während dort die Orthodorie eine dogmatische ist, es mit dem Glauben, mit dem Innern zu thun hat, ist sie hier, bei uns, eine werk-