Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 4 (April 1852)
- Date
- 1852-04-01
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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100 Kundschaft und Erstgeburt. Schreckenszeiten über unsere verfolgten Gemeinden hereinbrachen, als die Vaterhuld Gottes sich verhüllte in eine dunkele Wolke, und wir so geworden waren, „als wäre sein Name nie über uns genannt worden" — auch da hielt Israel fest an dem Glauben, daß Gott sein Vater sei, ein zürnender, aber doch ein wohlmeinender Vater, der einst die trostvolle Verheißung gab, „und bei alledem, wenn sie sein werdenim Lande ihrer Feinde, so verschmähe ich sie nicht und verwerf' ich sie nicht, meinen Bund mit ihnen zu brechen, denn ich bleibe der Ewige ihr Gott! (3 B. M. 44,26.) — Was also, Israeliten, soll der Vorwurf, welcher oft vernommen wird, die Religion unseres heiligen, uralten, nie verwechselten Bundes, bewährt und bekräftigt durch eine'Treue, die nun dreitausend Jahre und darüber allen Stürmen und Wechseln der Zeit getrotzt hat, diese Religion sei keine Religion der Liebe, und der Gott dieses urweltlichen Bundes sei kein väterlicher Gott? Er, der in allen unseren Nöthen uns so nahe ist, von dem es heißt: 1^? ONI^ ^?22 bei allen ihren Leiden ist ihm Leid (Jes. 63, 9.) — Er soll nicht unser Vater sein? — Wohl wahr, Israeliten, ein Gott, der schon unsere zukünftigen Sünden durch sein Verdienst im Voraus tilgt, das ist nicht unser Gott! Aber ein Gott, der den reuigen Sohn väterlich an's Herz nimmt — NPN — das ist unser Gott! Ein Gott, der seine Kinder liebelnd verzieht, das ist nicht unser Gott! Aber ein Gott, der seine Kinder strenge erzieht, das ist unser Gott! Ein Gott, der auch bei unseren Sünden lächelt, das ist nicht unser Gott! Aber ein Gott, der in seinem Zorneswetter den Bösen schreckt, während er das zagende Gemüth, wie die schmachtende Blume, aufrichtet durch seinen Ruf: ^2 TMtt „ich will sein wie Thau für Israel" (Hos. 14, 6) — das ist unser Gott! Ein Gott, der eines Vermittlers bedürfte, wodurch er erst recht zu einem abgeschlossenen Gott finsterer Gerechtigkeit wird, das ist nicht unser Gott! Aber ein Gott, der unmittelbar sich unser annimmt; ein Gott, der durch unsere heilige Lehre wieder in die innigste Beziehung trat zu Welt und Menschen, während durch der Heiden Lehre die oberste Ur-