Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 4 (April 1852)
- Date
- 1852-04-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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94 Der zweite Feiertag. Hörde durchaus nicht zur Beibehaltung der zweiten Festtagsfeier bewogen hat, sondern der beigefügte Grund, es möchte durch Religionsverfolgungell die Bestimmung der Festtage wieder in Verwirrung gerathen. Auf das Wegfallen dieses Grundes nun find wir in jeder Hinsicht zum Aufheben der zweiten Festtage vollkommen berechtigt. — Freilich ist es nicht zu leugnen, die Abschaffung so lange gefeierter Tage stößt auf Schwierigkeiten, muß behutsam vorgenommen werden, wird erst in der nächsten Generation ganz durchdringen. So ist z. B. der festliche Gottesdienst, fo lange auch nur ein kleiner Theil der Gemeinde sich beim Gegentheile verletzt fühlen würde, an den betreffenden Tagen nicht wohl abzustellen. Die Synagoge, welche die Gesammtheit vertritt, muß auf die Gesammtheit Rücksicht nehmen. Die Abstellung aberzielt vorzüglich dorthin, wo sie eben nöthig ist, in's Leben! — Daß der Handwerker seinem Handwerke, der Ackersmann seinem Feldbau, der Kaufmann seinem Geschäfte an den bisherigen zweiten Feiertagen nachgehen darf — diese Erklärung, welcher ich mich bereits in der Rabbinerversammlung mit ganzem Herzen angeschlossen habe, spreche ich hier, auf der heiligen Stätte, welche mir Gottes Wille und die Wahl der Gemeinde zum Lehren und zum Verkünden dessen, was Roth thue und Zeit und Religion gebieten, eingeräumt hat, — widerholt klar und offen aus, mit dem Hinzufügen, daß den Rabbinern in unfern Tagen keine geistliche Macht gegeben ist, zu binden und zu lösen; sondern ihre schönere Stellung ist diese, daß sie als Organ der Zeit und ihrer Gemeinden, als Lehrer des Volks und der Religion aussprechen, was die Zeit verlangt, was den Gemeinden frommt, was der Religion zur Förderung gereicht. Heil ihnen, wenn sie es thun, und dreimal Heil ihnen und den Gemeinden, wenn ihr guter Wille Anerkennung und Unterstützung findet, damit Lehre und Leben sich wieder harmonisch durchdringen, Rabbiner.und Gemeinden Hand in Hand dem Ziele der Neu- und Bessergestaltung unserer religiösen Zustände entgegen schreiten! — Leopold Stein, Rabbiner der israel. Gemeinde zu Frankfurt a. M.