Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 4 (April 1852)
- Date
- 1852-04-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Der zweite Feiertag. wenn wir einige der mit Unrecht der Arbeit entzogenen Tage der bürgerlichen Thätigkeit zurückgeben, und dadurch gar mancher Familie auch in ihrem häuslichen Bestände Erleichterung, verschaffen? Das Pesachfest ist für den israelitischen Familienvater mit großen Ausgaben verknüpft; er leistet sie gerne; er thut es für die Religion! Wer aber gibt Euch ein Recht, ihn mit einem Tage mehr zu belasten? und während es in der Thora wiederholt heißt : „sieben Tage sollst du Ungesäuertes genießen!" ihm wegen eines ganz und gar nicht mehr Platz greifenden NWdaA einen unberechtigten achten Tag aufzubürden, der durch den Rüsttag (NVO gar zum neunten wird? — Unsere Weisen erklären ja: 1NNW^N2 NO 2D M' den zweiten Feiertag haben die Rabbinen in Betreff der Tod tenbestattung ganz dem Werktage gleich gemacht. (Lesa 6,5) Wie nun? sollte die Rücksicht auf die Lebenden nicht noch maßgebender sein, als die aus die Todten? Kann ein Gewerbsmann bestehen, wenn er drei, ja oft vier Tage hintereinander sein Geschäft muß ruhen lassen? Man hat, wie wir schon oben angedeutet, den jüdischen Kalender so weise eingerichtet, skosek llasedana 20,1), daß der Versöhnungstag nie auf einen Sonntag oder Freitag fallen könne, damit nicht Sabbath und Versöhnungstag nach einander kämen. Und warum hat man Solches vermieden? damit nicht die Todten vom Freitag bis zum Montag liegen müßten;^ damit nicht die am Freitag aus der Erde genommenen Gewächse bis zum Montag verwelkten und ungenießbar würden. (tt'NM M"»' Olwv) Deßhalb also hat man mit Wissen alle Festtage des Jahres verschoben, so daß sie auf ganz andere Tage kommen, als sie nach dem Neulichte (n^lv) eigentlich fallen sollten. Die meisten Israeliten wissen es freilich nicht — man muß es ihnen aber sagen — daß sie gar oft den Versöhnungstag nicht am zehenten Tage nach dem wirklichen Neumonde feiern; daß, ihnen unbewußt, durch den Kalender eine Verlegung (7MN) stattgefunden, damit nicht zwei so streng zu feiernde Tage wie Sabbath und Versöhnungstag nach einander fielen, was dem Volke, namentlich dem ackerbauenden, zur Belästigung fallen würde. Jnsgleichen hat man