Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 3 (März 1852)
- Date
- 1852-03-01
- Page
- – (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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IÄ. Mn Frühlingsgruß. Ans dem „Tachkemoni" des R. Jehuda Alcharifi. Wir lassen den vorhergehenden Nummern, den trockenen, gesetzlich-dürren Aussprüchen der Rabbinen des Mittelalters hier das belebende Dichterwort eines rabbinischen Meistersängers aus eben derselben Zeit nachfolgen. Auch er war aus der edlen, hispanischen Schule. Wie wir in der vorigen Abhandlung sahen, daß die denkenden Rabbinen aus „Sepharad" es waren, welche dem Leben in religiösen Dingen noch ein Wort mitzusprechen gestatteten, es nicht mit neuen Gesetzeserschwerungen belastend und erstickend, so finden wir auch hier einen edlen Rabbi, der scherzt, lacht, das Lob des Weines singt, dabei aber Gottes und seiner heiligen Gesetze nicht vergißt. Der „Tachkemoni" ist ein Gedicht in 50 Pforten (Gesängen), nach der Weise der „Makamen des Hann" in wechselnden Bildern das Leben und alle seine Erscheinungen darstellend. — Die Sprache des Gedichtes ist die auch in unseren „I>iutiW« übliche gereimte Prosa, von Liedern durchflochten. Wir waren bemüht, in Inhalt und Form, den Dichter unseren Lesern nahe zu bringen. Die fünfte Pforte. Das Lob der zwölf Monate. (Einleitung.) Ich befand mich im Bunde — geliebter Jünger des Sangeskunde, — von deren liedergewandtem Munde — Gedichte blitzen aus feurigem Grunde. — Es war zur holden Frühlingszeit — im Nisanmond voll Lieblichkeit; — Thauthränen der Rosenwange Geschmeid, — die Rose selbst in des Gartens Kleid — gewirkt ringsum voll Herrlichkeit! — Und die Erd' im Gewand' mit Blumen garniret, — mit jeglichem Schmucke wotzlgezieret; — die Rose wie ein Licht - bestrahlend ihr Angesicht - und jedes Gärtchen ihr Kränze flicht — und jedes Knöspchen zu Tage bricht — wohlthuend Grün, zurücke bleibt es nicht. — Da woget im Garten der würzige Duft —folgt sehnsuchtsvoll dem Zuge der Lust; — und die Sonne steigert die milde Gluth — indeß sie^im Lager des Lammes ruh't. — Da brechen im Chor — der Erde Sprößling' hervor — ste heben rebellisch das Haupt empor — und die Welt deckt Süße weit und breit. — Doch die Wolke den Boten des Sturm's gebeut — und rufet den Blitz, den Sohn des Vaters der Lieblichkeit — und spricht: umgürte den Bogen, das Schwert Larak Leu ^.hüwsm. — Vgl. Nicht. 4,18.?Barak" bedeutet zugleich Blitz.