Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 3 (März 1852)
- Date
- 1852-03-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Aufforderung an die Rabbiner Deutschlands. 63 Ihr das Siegel an Eueren Lippen brechet und das heraussaget, was Gott, Pflicht und Gewissen Euch in den Mund legen, ebenso groß und noch weit größer wird die Verantwortlichkeit sein, die Ihr auf Euch ladet, wenn Ihr das Siegel von dem Munde nicht abnehmet, mit Euerer besseren Ueberzeugung nicht hervortretet, Eueren schwerbedrängten Gemeinden eine Erleichterung nicht gewähret, die nicht nur mit Thora und Talmud, sondern auch mit allen „?0Lkiui« in der Hand gewährt werden kann und muß! Dann gälte von Euch und Eueren unglücklichen Gemeinden des Propheten Wort: „ihre Furcht vor mir ist eingelernte Menschensatzung; darum will ich gar wunderlich mit diesem Volke verfahren, ,l'O2N N-OLN, und verloren gehen solldieWeisheitseinerWeisen, und die Einsicht seiner Verständigen soll verhüllt bleiben." (Jes. 29. 13, 14). Dann gälte von Euch desselben Propheten strafendes Wort, das er den Führern Israels und seinen Aeltesten zuruft „mit denen Gott in's Gericht gehen werde": OZ^yy? n^fÄ der Raub an dem armen Manne ist in Eueren Häusern! (Jes. 3, 14). Aber auch Ihr übrigen, verehrten Amtsbrüder, beeilet Euch, alle, die Ihr es noch nicht gethan, Eueren Gemeinden eine Erleichterung zu bereiten, die überall, auch wo kein drängender Nothstand es gebietet, vielen Familien zu einer wahren Wohlthat werden wird. Haltet die Sache für nicht geringe; und auch Ihr, aufgeklärte Männer in den Gemeinden, die Ihr Solches leset, belächelt unseren Eifer nicht, und zucket nicht in gewohnter Weise mit stolzherabblickender Miene die philosophischen Achseln. Wenn man seinen Mitbruder nicht zu der Höhe hinaufschrauben kann, auf welcher man fich befindet, so muß man sich liebend zu ihm herablassen. Uns geht daher überall das Menschliche menschlich nahe; und wo auf dem Gebiete der Religion eine sociale Erleichterung gestiftet werden kann, da dünkt uns kein Gegenstand zu klein; und wenn nur ein Seufzer gehoben, nur da und dort einem nothbedrängten Gemüthe eine augenblickliche Befreiung geboten wird, so ist das schon Grund und Lohn genug, um das anfeuernde Wort in die Welt zu senden. Und der vorliegende