Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 3 (März 1852)
- Date
- 1852-03-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Aufforderung an die Rabbiner Deutschlands. Immer noch wird diese Erlaubniß in diesem großen Nothjahre vielen Israeliten zu großer Erleichterung dienen; Euch aber, ehrwürdige Amtsgenossen, kann keine nur irgend denkbare Rücksicht abhalten, diesen Ausspruch zu thun. Es kann hier nicht auf das hohe Alter des Gebrauches hingewiesen werden; denn diese Erschwerung ist eine thörichte Ausgebnrt erst der letzten Jahrhunderte. Ausgezeichnete und angesehene Rabbiner nennen sie einen „Narrenbrauch" (NWKaA ZeKwZs), eine ,/übertriebene Belastung" (Okumra Mkera). Auch ist hier nicht vorzuschützen, daß, wenn eine frühere Religionsbehörde etwas verboten, eine spätere es nicht erlauben könne, wenn sie nicht die frühere an Anzahl und Gesetzeskunde überträfe. Denn abgesehen davon, daß die in Rede stehende Erschwerung durch keinen Beschluß einer Religionsbehörde eingeführt sei, so ist auch bekannt, daß, wenn eine Erschwerung nicht allgemein Verbreitung gefunden in Israel wie dieß hier der Fall ist, da die sogenannten portugiesischen Gemeinden (Lepkaräüni) sich jener Nahrungsmittel am Pesach bedienen — auch eine an Anzahl und Gesetzeskunde geringere Behörde zur Aufhebung befugt sei (Naiin. Uaniriln II. 7). Wenn daher der ebenso fromme als klardenkende K. Aedi ^ekk-enasl, s. A., Oberrabbiner zu Amsterdam, nach dem Zeugnisse seines Sohnes in dessen Werke „Nor ukesiia« unter Nr. 453, vor einhundert u nd sechzig Jahren schon gegen das Verbot obiger Nahrungsmittel am Pesachfeste voll edlen Zornes eiferte und nur aus Scheu vor der dicken Finsterniß jener Zeiten seinen offen ausgesprochenen Ansichten keine praktische Geltung verschaffte, so fällt bei Euch dieser Entschuldigungsgrund weg, indem in unserer Zeit Euere Gemeinden Euere Aussprüche mit Beifall aufnehmen und Euch für diese Erleichterung eines ungesetzlichen Joches lobpreisen würden. Ja, in unseren Tagen, wo bei völlig umgestalteten Verhältnissen, die Bürde der religiösen Gesetze schwerer empfunden und von so vielen eigenmächtig und gänzlich abgeworfen wird, da ist es um so drängendere Pflicht, solche Erleichterungen eintreten zu lassen, die von sonst rigorosen Gesetzeslehrern nicht nur gestattet, sondern anempfohlen und gefordert werden. So groß daher das Verdienst sein wird, welches Ihr Euch erwerbet/wenn