Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1852)
- Date
- 1852-02-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Bildung ist Weisheit. 29 vor solcher Täuschung und Verwechslung. „Bildu n g ist W eisheit!" — Ruft sie auf den Straßen? Hat sie ans allen Wegen, vor allen Häusern ihre Stimme erhoben und ihr Standbild errichtet? Ja, wohl hat sie es, seit den Urtagen her; ja, wohl bist du durch dein Gotteswort eingeladen, sie zu suchen und dir anzueignen. Aber iher Stimme ruft hinaus in den weiten, großen Raum der Natur, der Welt, daß du hier forschest und erkennest; aber ihr Blick weiset hinab in die Tiefe deines geistigen und göttlichen Wesens; und wenn darin die Erkenntniß der Dinge wohnet, wie sie sind und sein sollen; und wenn darin ein rechtes und achtes Urtheil sich aufbauet über dich selbst und die Welt und deine Zeit und ihre guten und falschen Bestrebungen; und wenn darin jeder Tag ein Steinchen hinzufügt und jedes Jahr dich weiter fördert; und wenn du immer mehr lernest die Kräfte und Erscheinungen rings um dich her schätzen und abwägen, und wenn du immer mehr lernest, deine eigenen Kräfte und Fähigkeiten nützen und anwenden— dann hast du ihre Stimme gehört, ihren Blick begriffen, dann erst rede von wahrer Bildung. II. Bildung ist Weisheiti^Das schließt zum Andern jede Einseitigkeit, jedes einseitige Wissen und Erkennen, kurz jene Halbbildung aus, die nicht den ganzen Menschen durchdringt, einen Theil auf Kosten des andern bevorzugt und hervorhebt, schließt aber ein die Charakterbildung, die Festigkeit in Grundsätzen und Gesinnungen, schließt das ein, was man im gewöhnlichen Leben dem Herzen und feinen edlen Regungen zuschreibt. Und auch damit wird wiederum Vieles ausgeschlossen, wird wiederum Vielem die Maske abgerissen und die Hülle abgestreift. Es ist in unfern Tagen gar gewöhnlich, daß wir Kopf und Herz, Kenntnisse und Charakter völlig von einander trennen und auseinander halten als gehörte das Eine und das Andere nicht zusammen, als seien sie nicht beide aus einem Gusse. Jenem wird, wenn von Bildung die Rede ist, die Krone, diesem kaum ein bescheidenes Blümlein geweiht, jenes ist die alles überstrahlende