Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1852)
- Date
- 1852-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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28 Bildung ist Weisheit. Tiefe herauszugraben/sondern ein ganz alltäglich Ding, überall auf der Straße zu finden. Wer ein wenig auf dxr Oberfläche, von Kenntnissen, von Büchern herausgeschöpft, ein Paar Tropfen aufgefangen hat, einigen Scheinflitter zur Schau zu stellen und damit zu prunken weiß ^- der heißt „gebildet." Wer mit der Zunge gut fort kann, wer mit Wort und Urtheil gleich fertig, und stets bei der Hand ist, über Jegliches zu sprechen und abzusprechen, ob er auch nur wenig davon verstehe — der heißt „gebildet." Wer sich in der Welt ein Bischen umgethan, ein Stückchen Erde mehr gesehen hat, und davon viel zu erzählen und gut zu unterhalten weiß — der heißt „gebildet." Ja, und wer auch nur seinen äußern Menschen recht sorgfältig herausschmückt und im äußern Leben recht fein und nett erscheint, auf .Gesellschaften und auf gesellige Vergnügungen ukd Unterhaltungen große Stücke gibt, viel Zeit, viel Geld verwendet — auch der heißt oft schon „gebildet!" Und was das schadet? O gar viel schadet's! Was man mit so wenig Mühe und um so geringen Kaufpreis erlangen kann, das glaubt man nicht erst weiter und tiefer suchen zu müssen, und so kommt's denn, daß das, was die Menschen Bildung nennen, nicht selten friedlich wohnet neben Thorheit und Beschränktheit, und so kommt's denn, daß das innere Wesen oft von ihr ganz unberührt bleibt, leer ausgehet an Gewinn und Läuterung, und so kommt denn in ihrem Gefolge gar oft die Gespreiztheit und die Anmaßung, der Hochmuth und die Selbstüberschätzung, und zu gar manchen betrübenden Erscheinungen unserer Tage und zu manchen Jrrnissen und Wirrnissen der Gegenwart, des geselligen und sittlichen Lebens, und zu manchen Ausartungen und Absprüngen der Jugend findet sich hier der Schlüssel, Und wenn ihr fraget : warum so manches Kleinod unserer Tage wieder zu Grunde gegangen, warum so mancher große und mächtige Gedanke, kaum aufgetaucht, wieder entschwunden ist, der Verwirklichung entzogen so wird euch die Antwort: die oberflächliche Bildung hat ihren Theil von Schuld daran, der Mangel an Weisheit da und dort und überall hat es dahin gebracht. — , . ' ,-^^ Jsraelite! Deine Lehre warnt dich vor solchen Jrrthümern,