Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1852)
- Date
- 1852-02-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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30 Bildung ist Weisheit. und — oft blendende Sonne, dieses ein kaum beachtetes, stilles Sternlein der Nacht. Ich will mich näher und deutlicher erklären. Während in früheren Zeiten ein sehr einfaches und bescheidenes Maß von Kenntnissen und Wissen genügte, um zu einer Existenz zu gelangen, um den Lebensweg zu finden, während man daher, um den Werth und Gehalt eines Menschen zu beurtheilen, seine Grundsätze, feine Handlungen wog, und darauf das meiste Gewicht legte — haben sich seit geraumer Zeit die Ansprüche an die geistigen Fähigkeiten gesteigert und immer höher gesteigert, hat sich das Reich des Geistes und Wissens erweitert und immer größere Kreise gezogen, hat sich eine neue Welt der Erkenntniß dem erstaunten Menschenauge geöffnet, und Vieles, was früher verborgen war und verhüllt, ist offenbar geworden und ein Gemeingut der Gesammtheit, und von vielen Kräften und Erscheinungen, von denen es früher hieß: „Die Geheimnisse sind des Ewigen unseres Gottes", ist jetzt die Decke hinweggezogen, weiß jetzt schon das Kind in der Schule mitzureden und soll mitzureden wissen« Das wäre nun an sich schon Alles recht schön und gut, wäre ein Zeichen der Entwicklung, des Fortschritts, des AufwärtsstrebenS — wenn nur nicht gar zu häufig damit ein anderes Zeichen, eine andere minder erfreuliche und erbauliche Wahrnehmung verbunden und eine traurige Folge davon wäre. Nämlich das Streben, den Kopf, und was man so nennet, zu bilden, d. h. mit möglichst vielen nützen und unnützen Kenntnissen voll zu propfen, beim Kinde schon, auf Kosten und mit Vernachlässigung des Herzens! Und so nimmt denn allerdings das Wissen zu, aber die Geradheit und Einfachheit der Sitten, des Charakters nimmt immer mehr ab; die Fähigkeiten werden größer, die Leistungen glänzender, aber die Grundsätze, die Gesinnungen werden lockerer, die Menschen unzuverlässiger, die Theilnahme an Allem, was nicht handgreiflichen Vortheil und Gewinn verheißt, wird geringer. Freunde! Befraget die Erfahrung, die tägliche Erfahrung, und ihr werdet mich gewiß nicht der Uebertreibung beschuldigen, und ihr werdet durch sie das Bild der Zeit, das ich euch vorgehalten, bestätigt finden! Ob aber da der Fortschritt so gar hoch zunehmen ist und anzuschlagen? Ob das die „Bildung" ist,