Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 2 (1852)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1852)
- Date
- 1852-02-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3129675-3129690-3129693--0341-3132345- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 Bildung ist Weisheit. es gilt, der Zeit ihre wichtigsten Bedürfnisse abzulauschen, sich in Reih' und Glied stellt mit vielen Andern, sich oft mit Pomp und besonderer Bedeutung ankündigt, um ja nicht übergangen zu werden. Ich sage, mit einiger Scheu rede ich zu euch von diesem Punkte, lege ich dieses vielgehörte Wort auf die Wagschale, die hier, an der Stätte der Wahrheit und Aufrichtigkeit, aufgehangen ist und nichts nachlassen darf von ihrem strengen Gewicht und Urtheile. Es kann nämlich nicht fehlen , daß da Mancher und Manches zu leicht befunden wird, in Dunst und Schein und Nichtigkeit auffliegt, was sich im Leben draußen breit macht und wichtig thut, was oft geschätzt und überschätzt wird, was oft der Lüge und der Verkehrtheit in dem täglichen Trachten und Streben argen Vorschub leistet. Und doch muß auch diese Scheu, in das Lügengewebe einzugreifen, überwunden werden bei mir, wie bei euch, und doch hat auch hier wieder „Reden seine Zeit" und darf ein geneigtes Ohr, besonders heute, am ernsten Tage der Buße, in Anspruch nehmen. Bildung! Volks bildung! Wie viel Großes und Edles verbindet sich mit diesem Worte, mit dieser gerechten Forderung der Zeit, wenn sie sich losschält von jener Einseitigkeit, in die sie so häufig verfällt, wenn sie sich verschwistert mit dem, was wahrhaft Noth thut, uns und unfern Kindern! Und daß diese Verbindungsbrücke nicht abgeworfen und nicht übersprungen werde, dazu soll uns heute die Lehre verhelfen, soll uns wenigstens die Spur dazu zeigen. DieSpur! Denn vergebens werden wir in unfern heiligen Büchern nach einem Worte oder Spruche suchen, in welchem von ^Bildung" allein, in dem begränzten und beschränkten Sinne, in welchem wir es häufig zu nehmen Pflegen 7 die Rede ist. Sondern die Lehre umschreibt es überall mit jenen Ausdrücken, welche über die ächte Bedeutung keinen Zweifel lassen, umschreibt es mit der Forderung nach einer weisen EntWickelung/ nach einem vernünftigen Leben und Händeln, und legt daraus das Häuptgewicht. Wir wollen einen der vielen Kernsprüche dieser Art vernehmen, um daran unsere weitere Betrachtung anzuknüpfen; ich meine den Eingang des herrlichen