Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1853)
- Date
- 1853-12-01
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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303 Progression und Conservation. Menschenuatur elementarisch vorhandene conservative Element ihm hindernd in dem Weg steht. Was aber in der Menschennatur, im Seelenleben als pn'ncipiell und elementarisch erscheint, muß in allen menschlichen Angelegenheiten, und namentlich auch beim Jugendunterrichte, berücksichtigt werde'n und darum nochmals und abermals „in der vernünftigen Bereinigung beider Elemente bewegt sich der menschliche Geist nach seinem eigenen und nach dem großen Weltgesetze." — Ich könnte somit meine Widerlegung schließen; doch noch ein Wort muß mir mein geschätzter Gegner erlauben, und — nicht übel nehmen. Herr Hecht weiß sich in seinem ganzen Aufsatze nicht auf die Höhe der Idee zu schwingen und auf derselben zu erhalten. Ich habe die Ausdrücke: Conservation und Progression in ihrer höchsten und allgemeinsten Bedeutung, d. h. als zwei allwaltende Ideen, gebraucht. Denn so wie in der physischen Welt alles Werden und Gestalten zwischen den ertremen Polen der Ruhe und der Bewegung vor sich geht, eben so bewegt sich Alles in der geistigen Welt und Das stehet doch nicht so ganz unantastbar da, wie der scharfsinnige Herr Verfasser es darstellt. Der Schöpfer hat gar Manches in die Natur des Mensches gelegt, was überwunden, aber deßhalb nicht gepflegt werden muß. Manche Neigung u. Leidenschaft sollen wir besiegen, soll der Erzieher besiegen lehren — aber auch Pflegen? — das wird doch der geehrte Herr Verfasser aus seiner Prämisse nicht wollen folgern lassen! - Also: ist die Neigung zur Conservation, d. h. zur Ruhe und Trägheit, der menschlichen Natur angeboren, was allerdings Niemand leugnen kann, so ist damit noch nicht bewiesen, daß sie conservirt werden müsse, so liegt darin im Gegentheile nur die Aufforderung, daß das, was in der Schattenseite, in der Schwere der menschlichen Natur, in dem „^Körner" seine Begründung hat, vom geistigen Menschen überwunden werden müsse, um immer weiter und weiter voranzudringen. Hier steht uns ja der Talmud zur Seite in der bekannten ^.K»ä»: O^"!25 O7!^> ^tt „die Frommen haben kein e Ruhe, weder in dieser noch in der künftigen Welt, wie es heißt : sie wallen von Kraft und Kraft" — also unermeßlicher Fortschritt — nirgends Stagnation! Anm. d. Red.