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Der israelitische Volkslehrer · 1853-11-01 · Heft 11 (November 1853) · page 21

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 11 (November 1853)
Date
1853-11-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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IRI
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Briefe über jüdische Zustände in Paris. 279 ' „Ist das also am feuchten Holze, wie wird's am dürren sein?" Wenn in Paris , wo das Central-Konsistorium seinen Sitz hat, wo die Intelligenz der französischen Juden eonzentrirt ist, wo die ganze Bevölkerung schon zufolge ihrer äußern Stellung mit dem Geiste der neuern Zeit fortgeschritten sein muß, wenn selbst in Paris nicht die geringste Reform, die im Sinne und nach dem Geiste des historischen Judenthöms unbestritten zulässig ist — in die Synagoge aufgenommen hat, wie mag es wohl in den vielen Synagogen der Elsasser Dorfgemeinden aussehen? Ein Zugeständniß wurde jedoch der Reform gemacht: der Choralgesang. Der Gesang ist gut, der Vorbeter, Herr Naumburg, hat viele musikalische Kenntnisse und eine liebliche, biegsame, aber keine starke Stimme. Uebrigens trägt er die Gebete mit Würde, Weihe, Anstand und Korrektheit vor; minder lobenswerth ist jedoch das Benehmen des Kinder-Chores. Ich stand ganz in der Nähe desselben, neben dem Großrabbinen, und bemerkte, wie die Knaben während des Gesanges schäkerten und durch alle möglichen, oft unanständigen Geberden sich zu unterhalten suchten. — Gepredigt wurde während meiner Anwesenheit nicht, jedoch vernahm ich, daß Herr Isidor, der jetzige Großrabbiner, ein sehr guter Redner sei, und ich bedauerte wirklich, keinen religiösen Vortrag hören zu können. Soviel von der Hauptsynagoge. Einen weit günstiger» Eindruck machte der Gottesdienst der portugiesischen Gemeinde, welche ich an dem darauf folgenden Sabbath besuchte. Diese Synagoge befindet sich in der rue I^aiQartiiiS ^0. 23 in dem Hintergebäude eines gewöhnlichen Hauses. Das Aeußere derselben ist höchst anspruchslos, desto wohlthuender ist der Anblick der innern Ausstattung und die Art des Gottesdienstes selbst. Die Synagogeist klein, übrigens groß genug, um die nur 800 Seelen umfassende Gemeinde aufzunehmen. Die Estrade für den Vorbeter und den Chor ist am Ende der Synagoge; dort ist auch die Orgel angebracht. Der Raum zwischen Tabernakel und dem Vorbeterpulte, welche sich einander gegenüber sind, ist frei, auf beiden Seiten sind die Plätze "für die Mitglieder der Gemeinde; die Frauen sind auch hier, wie in unfern Synagogen, in einer besondern Abtheilung, in einer Emporsynagoge. Die Gebete sind von den mistigen bekanntlich wesentlich verschieden; einen sehr gefälligen Eindruck macht schon die richtige portugiesische Leseart des Hebräischen.

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