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Der israelitische Volkslehrer · 1853-11-01 · Heft 11 (November 1853) · page 20

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 11 (November 1853)
Date
1853-11-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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IRI
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S73 Briefe über Mische Zustande in Parts/ Es ist überhaupt traurig, wenn man glaubt, äußere Aufsicht und'polizeiliche Strenge zur Erhaltung der Rühe im jüdischen Gottesdienste immer noch nöthig zu haben , ja noch weit trauriger , wenn sogar diese Maaßregeln fruchtlos bleiben. -— Wenn ich Ihnen aber weiter die Art und Weise, die Form und den Inhalt des Gottesdienstes selbst mittheile, werden Sie dieses leicht erklärlich finden. Als ich vorhin die Orgel erwähnte, freuten Sie sich gewiß ob des Fortschrittes und erwarteten, daß hier der Gottesdienst dem Geiste ^des neunzehnten Jahrhunderts und der Stellung und der Bildung der Pariser Juden entsprechend sei — auch ich hegte diese Erwartung/ als ich die herrliche Synagoge und die Orgel sab — aber wie wurde ich getäuscht! Die Orgel läßt ihre himmlischen Akkorde nur so lange ertönen, bis sie die himmlische „Braut", den Sabbath, herbeigelockt; sobald der Schluß des Sabbathliedes (NN Nlö) die Ankunft der Erwarteten verkündet — verstummen diese herrlichen Töne und erklingen nur dann wieder, wenn eine irdische Braut ihrem Bräutigam vermählt wird. Während des Sabbaths ruht die Orgel — aber destp unruhiger ist es im Gottesdienste. Was Wunder auch? Alle Gebete wie sie unfern Siddur bilden, werden in hebräischer Sprache gesprochen. Die Tbora wird. / nicht in kleinen Perikopen des dreijährigen Cyclus , sondern in den gewöhnlichen großen Sidraabschnittcn vorgetragen; das ermüdet, spricht weder das Herz , noch den Geist an, und die Folge ist und bleibt die Unruh- und die Andachtlosigkeit, welche alle Gensd'armen des großen Kaiserreiches nicht verbannen werden. — ES bleibt immer ein unerklärlich Räthsel, wie man in Frankreich, in dieser Heimath der Gleichberechtigung, auf diesem heiligen Boden, wo unsere Ketten zuerst gebrochen wurden und die großen, Gott und die Menschheit ehrenden Grundsätze von 89 stets unangetastet thronen werden, wie dort unsere Brüder noch Gebete sprechen können, welche im Mittelalter, wenn auch nicht verzeihlich, doch erklärlich waren — jetzt aber? — ebenso unverzeihlich als unerklärlich sind! — „Räche vor unsern Augen das vergossene Blut", oder: „Wir sind wie Schaafe, die man zur Schlachtbank führt, zur Ermordung, zur Vernichtung, zum Unglück und zur Schande" — kann man dies und so viel AehnlicheS noch beten —in Frankreich? — vor dem wahrhastigen Gott?— In der That! wenn man neue Synagogen baut, so muß man nicht davor zurückschrecken, auch vom geistigen Gebäude das alte Spinngewebe fortzuschaffen! —Und daß man Ln Frankreich nicht Hand anlegt, die Gebete zu purifiziren, ist eine gerechte Anklage, sowohl vor dem Richterstuhle der Vernunft, als vor dem der Religion. D. Red.

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