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Der israelitische Volkslehrer · 1853-11-01 · Heft 11 (November 1853) · page 19

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 11 (November 1853)
Date
1853-11-01
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Briefe über MM AuftSnde in Paris. 277 Am Besten in der ganzen Synagoge gefiel mir der Tabernakch (l^lj?."! p^) selbst. Wenn vor dem Borlesm aus der Thora durch den Diener der Vorhang zurückgezogen wird, und dieser sich , wie der Vorhang vor einem Proscenium, zwischen Mauern und Säulen verlorenbat und nun die großen schweren Thören des Allerheiligsten geöffnet werden, ist der Anblick höchst überraschend und effektvoll. Denn hier sieht man nicht, wie gewöhnlich in den Synagogen, ein geschmackloses Behältmß mit aufeumnder gethürmten Thorarollen, sondern ein förmliches kleines Zimmer, in Form: eines Halbkreises erbauet. Die Thorarollen stehen in- Form dieser Rotunde wohlgeordnet n ecke n einander, jene Thora in der Mitte, aus der eben vorgelesen, werden soll. Diese Einrichtung des Tabernakels ist sicher das Schönste und Sinnigste in der ganzen Synagoge und verdient gewiß als höchst einfach und, nebenbei gesagt, für die Erhaltung des Pergamentes höchst zweckdienlich, in allen Synagogen nachgeahmt zu werden. Außer diesem Tabernakel fand ich in dieser Synagoge, die neu, groß und elegant. P als daß beialler Pracht und Größe nicht einmal eine Kanzel angebracht ist. Ich fragte einen Synagogenbeamten um die Ursache und erhielt die Antwort: „weil^ man keinen geeigneten Raum dafür auffinden konnte" (!!) Gewiß sehr naiv; für Alles fand man Raum, nur für die Kanzel nicht, für die Stätte, welche dem ersten religiösen Bedürftnsse der Neuzeit gewidmet ist! — Gehen wir nun vondem Gebäude zu den Bediensteten über, so war es uns, als sähen wir hier einen kleinen Kirchenstaat mit verschiedenen Uniformen eingeführt. Denn da erschien der Großrabbinev von Paris (der des Centralconsistoriums hatte sein Amt noch nicht angetreten) in seinem bestimmten Talare , mit-dem dreikantigen Hut der französischen katholischen Geistlichkeit; sodann der Unterrabbiner, der Oberkantor, der Unterkantor, der Thoravorleser, die Beisänger, das erwachsene und kleine Chorpersonal, jedes in seiner eigenthümlichen Amtstracht, und zuletzt noch die Commissarien, die Polizeidiener dieses Kirchenstaates , welche beständig während des Gottesdienstes in der Synagoge zur Aufrechterhaltung der Ordnung auf und ab laufen. Glauben Sie aber deßhalb nicht an eine wirkliche Ruhe und erhebende Andacht — Alle Machen und unterhielten sich während des Gottesdienstes — die Commissarien selbst am meisten.

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