Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 11 (November 1853)
- Date
- 1853-11-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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274 Briefe über jüdische Zustände in Paris. muthig schlagen, das Auge frei umherblickt und der Freund den Freund, der Bruder den Bruder aussuchend, den Bund der allgemeinen Menschenliebe befestigt und bestätigt. — Zwölf Stunden erfordert die Reise von Straßburg nach Paris, einen Tag, und an diesem einen Tage welche Mannigfaltigkeit von Menschen! Ein ganzes Jahr hat mir in meinem Bruchsal nicht so viele und verschiedenartige Gesichter vorgeführt, als der eine Tag auf der französischen Eisenbahn. Bald zog eine schwarz gekleidete Nonne, bald ein Klosterbruder, bald ein Landgeistlicher in seinem langen Rocke, bald ein wohlbeleibter Dorfschulze, bald ein Blousenmann, bald eine elegante Dame oder ein Pariser „Lion" meine Aufmerksamkeit auf sich. Wie am Meeresstrande, so ist an der Eisenbahn beständig Ebbe und Fluth. Daß unter diesen vielen Menschen auch Kinder Israels sichtbar wurden, läßt sich von selbst denken. Ein Jude aus Elsaß, der, wie er mir sagte, eine Frau aus „dem Deutschland" hat, und mit „dem Eisenbahn" in Geschäften nach Pfalzburg reise, hat mir in der Unterhaltung, die ich einige Zeit aus psychologischen Gründen mit ihm gepflogen, unwillkührlich ein trauriges Bild von der Geistesrichtung der Elsasser Juden vorgeführt. Wenn ich auch weit entfernt bin, ihn als Repräsentant des allgemeinen Zustandes des Judenthmns im Elsaß zu erkennen, so dürfte doch, nach seiner eigenen Schilderung, die Mehrzahl dortiger Juden seine Richtung und Gesinnung theilen. Nach zwölfstündiger Fahrt kamen wir in die Nähe von Paris, das als das gemeinschaftliche Reiseziel freudig von der ganzen Gesellschaft begrüßt wurde; denn bei aller Schnelligkeit der Dampfkraft ist die Fortbewegung dem stets zum Ziele vorauseilenden Menschengeiste noch immer nicht schnell genug. — Der Bahnhof von Paris ist selbst schon eine kleine Stadt mit großer, zahlreicher Bevölkerung. Das Treiben und Wogen der Menschen ist unbeschreiblich, aber auch die Ordnung, die bei all diesem Getümmel erhalten wird. Die Stadt selbst machte, wie Sie sich wohl leicht denken, auf mich, den Klein-