Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 11 (November 1853)
- Date
- 1853-11-01
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefe über jüdische Zustände in Paris. 273 Schnelligkeit der weltbewegenden Dampfkraft doch des Schauens nicht müde wurde. Bald aber erblickten wir hohe Berge, die sich wie Mesen unserm Vorwärtskommen entgegen zu stellen schienen. Welche Hindernisse vermag aber, der menschliche Geist und die menschliche Kraft nicht zu besiegen? Den Bergen war das Eingeweide herausgenommen, und mitten durch das Innere dieser drohenden Gestalten raste mit Windesschnelle der dampfende Wagen mit allen seinen Anhängern. In dem Innern dieser Ungethüme wurde es aber, qls wollten sie sich rächen, plötzlich ganz finster — kein Lichtstrahl war sichtbar; desto dumpfer und gewaltiger war das Brausen der fortrollenden Maschine. Angstpolle Ausrufe wurden nicht selten, namentlich aus dem Munde der weiblichen Reisegesellschaft gehört. Nicht lange dauerte aber die Herrschaft der Finsterniß. Bald wurde es hell und licht — Allen war es wieder wohl und behaglich, jeder athmete leichter, als wenn bei dem Mangel an Licht auch die Luft, jenes nothwendige Lebenselement, abhanden gekommen wäre. Wohl kehrte die Finsterniß wieder und wieder — aber ebenso schnell und wohlthuend auch das Licht — und so wurde es mehr denn zehnmal Tag und Nacht — 2">!? — an einem Tage— denn mehr als zehn Tunnels mußten wir durchfahren, ehe wir an das Ziel unsrer Reise gelangten! — Durch welche Tunnels führt aber nicht auch der Weg durch das Leben, insbesondere auf der von uns, geehrter College, betretenen Bahn? Kaum glauben wir auf freundlicher, Heller Ebene zu sein — ein Ruck — und es ist dunkel und unheimlich geworden; Alles fühlt sich beengt und beklemmt, Angst und Sorge ergreift die schwachen Seelen, wenn sie bei dem dumpfen Geräusch des rollenden Rades die Richtung nicht mehr sehen , die sie willenlos nun einschlagen müssen. — Aber verzagen wir deßhalb nicht! wenn diese Tunnels auch auf unsrer Lebens- und Berufsreise sich wiederholen, das rollende Rad der Zeit und des Zeitgeistes treibt auch die Maschine der Menschheit jenem ersehnten Ziele entgegen, wo es Heller, lichter Tag ist, wo die Herzen wieder freudig und