Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 11 (November 1853)
- Date
- 1853-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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268 Zur israelitischen Geschichte. sche Unterricht ward fast gänzlich vernachlässigt, und was man davon noch lehrte, war allenfalls die geschichtliche Seite, verwässert durch Deutung im Geschmack der Zeit; die Wenigen, welche dem Herkommen huldigten, und mit der Jugend die Bibel in der Ursprache lesen ließen (freilich ohne sonderlichen Erfolg!) um nur noch einen Schatten des ältern Religionswesens zu retten, standen mit der Gegenwart so sehr im Widerstreit, daß sie eher ein Gegenstand des Mitleids wurden. Unter solchen Umständen konnten die Anstrengungen eines, ohnehin nicht mit Fähigkeiten sonderlich ausgestatteten Consistoriums in Cassel (l 807—13) und die etwas ernstern Bemühungen des unvergeßlichen Jacobson, in Seesen und in Berlin, und andere aus denselben hervorgegangene Anstalten, zur Rettung des Gottesdienstes keine gedeihlichen Früchte tragen. Sie bildeten meist nur Durchgänge, damit man sehe, wie weit man noch vom Ziele entfernt sei. Man hatte sich eingebildet, daß die Verlassenheit der Synagoge lediglich der Geschmacklosigkeit und dem Mangel an Erbauungsmitteln zuzuschreiben sei; unleugbare Uebel allerdings, aber nicht beseitigt durch eine etwas ansprechendere Form und durch die da" mals beliebte Art der Erbauung, welche augenscheinlich nur nach Aehnlichkeit mit der christlichen Kirche strebte. Weder die Orgel und der bessere Gesang, noch die rein sittlichen Predigten konnten das Volk auf die Dauer fesseln. Es gab kein eigentliches Bekenntniß; ja es schien, als fürchte man sich, ein solches auszusprechen, weil die einmal verbreitete Lust, alles, was hergebrachte Religionslehre betrifft, zu bekritteln, sehr leicht die Abneigung noch bestärkte. So versank das religiöse Leben der Israeliten auf eine Seichtigkeit herab, die an eine gänzliche Dürre gränzte. Der glückliche Versuch, die Israeliten für ihr verkümmertes Recht zu begeistern, regte die Gemüther eine Zeit lang zu einem gemeinsamern Selbstgefühl an, aber darin war kein religiöses Element, sondern nur die, übrigens sehr achtungswütdige Übereinstimmung im sittlichen Selbstgefühl. — Da zeigte sich endlich eine starke Gegenwirkung von zwei Seiten zugleich. Die jüngeren Rabbiner er-