Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 11 (November 1853)
- Date
- 1853-11-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Zur israelitischen Geschichte. 267 Erschütterung ihres geistigen Lebens, welches sofort neue Gebiete für ihre innere Regsamkeit gewann. Noch bevor sie an dem äußern Schriftthum Gefallen fanden, entwickelte sich bei ihnen eine Umwälzung des Gedankenbereiches. Während Mendelssohn noch den alten Bau beschützte und vor dem Einflüsse der von einem Voltaire ausgegangenen nnd von einem geistreichen Könige begünstigten Angriffe zu wahren suchte, eilte schon eine ganze Schaar begabter Geister voraus, um auch die Israeliten an den Wendepunkt der Zeit zubringen, und sie aus der Einseitigkeit ihrer Religionsverfassung auf den Schauplatz der allgemeinen Bewegung zu führen, damit sie der Mitwelt gänzlich angehören. Es konnte nicht fehlen, daß sie^mit lebhafter und andauernder Freude diese Umgestaltung begrüßten, die mit reißender Schnelligkeit vor sich ging. Weniger als ein Vierteljahrhundert genügte, um eine Veränderung zu bewirken, die sonst Jahrtausende kaum hervorbringen. Wir haben sie mit eigenen Augen entstehen und sich entwickeln gesehen, sonst würden wir die Thatsache nicht glaubhast finden. Inzwischen entging ihnen, bei der geistigen Lebhaftigkeit, die den Israeliten inne wohnt, keineswegs ein unersetzbarer Verlust, der sie bedrohete. Aus dem alten Religionswesen herausgerissen, und zum Theil ganz und gar die Zeitideen in sich aufnehmend, gingen sie nach mehreren Richtungen auseinander, und sahen sehr bald, daß sie einer höchst verderblichen Auflösung entgegeneilten, weit gefährlicher für ihre Gesammtheit, als in der christlichen Welt, welche überall stehende Kirchen und zeitgemäße Formen hatte oder haben konnte, während sie verlassen da standen und auf. ihre eigenen Hülfsmittel angewiesen waren. Die Synagogen wurden täglich leerer, die älteren Schulen gingen in Lehranstalten über, welche den Anforderungen der Gegenwart entsprachen; die Religionslehre nahm die neuern Begriffe in ihren Kreis auf; sie unterschied sich von der christlichen nur noch durch wenige Bekenntnißlehrsätze, deren Schärfe ohnehin schon abgestumpft war. An Gottesdienst war kaum zu denken. Der bibli-