Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 11 (November 1853)
- Date
- 1853-11-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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266 Zur israelitischen Geschichte. leicht von Statten. Die Unbehaglichkeit ward zwar empfunden, die religiösen Lehren und Einrichtungen stimmten nicht zu den neuen Erkenntnissen, aber ein Prophet, welcher alle Gemüther hinreißen konnte, erschien nicht, und wenn einer aufgetreten wäre, so hätte er keinen Eindruck gemacht; die Leidenschaften waren rege, aber nicht die Begeisterung für höheres Leben. Sie trat indeß hervor, bei manchen in frevelhafter Zerstörungslust, bei andern in selbstgefälliger Zurückgezogenheit, bei den Meisten in Erschlaffung und Gleichgültigkeit. Die Lehrer, welchen die Pflicht oblag, die innere Einheit zu erhalten oder wiederherzustellen, schmiegten sich den Umständen an; sie baueten aus den Trümmern ansprechendere Wohnungen, und schmückten diese aufs Beste aus. Sie glaubten den Geist mit einer einfachen Sittenlehre genügend zu nähren, und hofften ihn dann sich selbst überlassen zu können. Ohne in die rasende Uebertreibung eines Convents zu verfallen, entwickeln die Lehrbücher aus jener Zeit mehr und minder denselben Geist, das Göttliche aus das geringste Maaß beschränkend, und dem Reinmenschlichen alle Sorgfalt zuwendend. Das fand Beifall bei dem flachen Verstände, der vor jedem Aufschwünge zurückbebt. Ein aufmerksamer Beobachter findet leicht denselben Geist der Basedow-Campe'schen, an sich sehr edlen Bestrebungen, in den veröffentlichten Predigten, in den Lehrbüchern der Religion, trotz ihres mitunter beibehaltenen alterthümlichen Anstrichs, ganz besonders aber in dem neuern, immer mehr wachsenden Schriftthum für die Jugend. Die Israeliten, bis dahin fast ganz von der Welt abgeschieden, wurden von dem Schwünge des geschichtlichen Rades in den Strudel der Begebenheiten mit hineingezogen, und begannen eigentlich in dieser Zeit ein neues Leben. Was sie im Laufe der Jahrhunderte vor dem Untergange und der Verwesung bewahrt hatte, war der Gedanke, und ihr bisheriges Leben war eigentlich nichts weiter als ein beständiges Denken gewesen, da sie von aller Thätigkeit abgeschlossen waren. Es war daher ihr Eintritt in die Welt zugleich eine