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Der israelitische Volkslehrer · 1853-09-01 · Heft 9 (September 1853) · page 22

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Journal
Der israelitische Volkslehrer
Volume
3 (1853)
Issue
Heft 9 (September 1853)
Date
1853-09-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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IRI
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226 Der Mensch im Lichte der Religion. schen, den inneren, höheren, geistigen Menschen, herniederziehe, zu Boden drücke, gefangen nehme und gefangen behalte das ganze Jahr! Mäßige deine Wunsche vor Gott, dann wirst du lernen deine Bedürfnisse einschränken im Leben! Ueberlade dein Gebet nicht mit irdischem Verlangen, dann wirst du dein Leben nicht überbürden mit irdischem Bedarf! — Und willst du glücklich sein und bleiben, o so laß dir Diejenigen als abschreckende Beispiele gelten, welche durch des Genusses Uebermaß sich unglücklich gemacht, weil sie die Wege Gottes verlassen, weil sie seiner väterlich warnenden Stimme kein Gehör geschenkt! — Und was verlangt denn der Ewige, dein Gott, was will denn die Religion Israels von dir? ruft sie dir vielleicht zu: kreuzige dein Fleisch? hat sie hohe Ringmauern, einsiedlerische Wohnungen errichtet, daß darin die herrlichste Gotteswohnung, der lebendige Menschentempel, der Welt sich verschließe? verlangt sie, daß der Mensch in Trauer und Kummer über seine entwürdigte Natur sein Leben hinjammere? Nein und nein! „mein Herz und mein Fleisch, Geist und Leib sollen singen," so ruft ein Frommer der Vorzeit, so rufen fromme Lehrer in Israel zu allen Zeiten, so ruft das ganze Judenthum aus: Freude ist in Gott, und Freude stimme in der lebendigen Gotteswohnung die Seele zum Wohlgefühle des Daseins! — Aber diese Freude wird getrübt und jener Einklang wird zum schreienden Mißklang, wenn die Stimmen im Menschentempel sich verwirren, die schrillen Töne der sinnlichen Begier sich vordrängen, der Meister „Geist" in seinem Rufen und Lenken nicht mehr gehört und beachtet wird. Da ist's im Menschen wie in einem ungeordneten Gottesdienste, wo Alles wild durcheinaudergeht; da weicht die Freundlichkeit Gottes von der Menschenwohnung; da sehnet und verlanget die Menschennatur nicht mehr nach dem Ewigen; da lobsingen Herz und Fleisch nicht mehr zusammen; da stimmen Geist und Leib nicht mehr überein, sondern beide werden bald dahin kommen, daß sie zusammen trauern über ihren beiderseitigen Verfall; denn es gilt von dem durch Leidenschaft, Mmäßigkeit und

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