Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Leib, ein Tempel Gottes. 225 II. Dieses aber lenket meine Gedanken auf das Zweite hin, was ich euch in Betreff des ernsten Gegenstandes anzuempfehlen habe, der uns heute beschäftiget vor Gott. Wenn wir des Leibes Leben erhalten wollen, so dürfen wir das von dem innern Arzte ^als einzig zum Ziele führend) anempfohlene Mittel nicht außer Acht lassen, nämlich: die leibliche Begier zn beherrschen. n^N^^ Mein Herz und mein Fleisch lobsingen. Wir werden in unsern weiteren Betrachtungen über das Menschenwesen und seine heiligen Obliegenheiten von dessen gemüthlichen Beziehungen und Verpflichtungen insbesondere abhandeln. Heute über den eben ausgesprochenen Schriftvers nur soviel, daß in der heil. Schrift der Ausdruck „Herz" sehr häufig von der höheren Natur des Menschen, der geistig erkennenden, im Gegensatze zu 1^2 dem „Fleische," der leiblich empfindenden Natur gebraucht wird. So auch hier. „Mein Herz und mein Fleisch sollen singen," heißt: meine geistige und meine finnliche Natur sollen durch die Religion in Einklang, in beseligende Harmonie gebracht werden. — Dessen, o Mensch! dessen, o Jsraelite, — der einen hohen Sieg darin suchen muß, in seiner Gotteslehre das Menschenwesen naturgemäß hingestellt zu sehen — dessen werde eingedenk heute an diesem heiligen Tage! — Und wenn du hier stehest, und feierlicher Gesang dich umtönet, in welchem irdische Klänge sich zum Ausdrucke des Geistes dienstbar erweisen, so beherzige, daß der schönste Gesang auf Erden sich in der Harmonie einer reinen und edlen Menschennatur vernehmen lasse, diese aber nur dadurch bestehen könne, daß die leibliche Begier beherrscht und dem Geiste dienstbar gemacht werde. Und wenn du heute betest und bittest und bettelst um irdisches Gut, um irdisches Leben, um irdisches Glück, o so laß dich von der Wünsche Fülle nicht überwältigen, daß am heiligen Neujahrstage schon der Leib dich, den Men-