Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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214 Zur Israelitischen Geschichte. tung insbesondere, ganz und gar durchdrungen. Wir lassen alle kritische Prüfung der einzelnen Elemente, die nach Zeit und Ort und Umständen und Fähigkeiteu bei der Abfassung sehr zu unterschieden sind, und der Schicksale der Bücher und Stücke, — das ist Sache gelehrter Forschung — ganz außer Augen, und treten nur vor das große ehrwürdige Denkmal des Alterthums hin, das sogar den Spöttern, sowie der Uebermuth seine Lust gebüßt hat, Hochachtung abgewinnt. Wir wollen es gern gestehen, daß, so sehr wir die Anlegung des Prüfsteins für die genauere Erkenntniß dieser Schriften als vollkommen berechtigt betrachten, und eine stumpfsinnige Buchstabenanbetung nur der Unwissenheit oder der Schwachsinnigkeit zu Gute halten, in Andern aber, die mit Scharfsinn und Sachkenntm'ß begabt, sie zum Gesetz erheben wollen, als Anmaßung oder Heuchelei verurtheilen würden, — ja so sehr wir über viele Stellen der heil. Schrift auch der Kritik selbst Schweigen gebieten, weil sie nicht die Mittel besitzt, dieselben zu erläutern, wir also nur zu oft unsre Unkunde gestehen müssen, — dennoch uns unter allen unbegreiflichen Wundern, die sie erzählt, das größte und anstaunenswertheste Wunder die Wirkung der H.Schrift ist, die durch alle Wirren der Völker im Laufe der Jahrtausende und trotz der unendlichen Fortschritte' der Wissenschaften und der veränderten Lebensanschauungen, sich gleich bleibt; die eine allgemeine Anziehungskraft ausübt, wie kein anderes Buch in der Welt, so daß sie den später entstandenen Glaubensformen selbst wieder zur Grundlage dient. Wir haben uns selb.t oft gefragt: wie ist es gekommen, daß eine Sammlung von Schriften, die ein uns ganz fern stehendes Leben, und zwar das Leben eines Volkes aus uralter Zeit, und aus Gegenden, in welchen alle Verhältnisse sich nach dem Boden und der Umgebung gestalten, schildern, und noch dazu überall nur skizzenhaft, mit sehr verschiedenen Abstufungen der Kunstfertigkeit, und in einer völlig abgestorbenen, fast unübersetzbaren Sprache, — wie kommt es, daß die bloße Abschattung derselben die Aufmerksamkeit der geistreichsten Denker und des unwissenden Volkes und der unentwickelten Jugend so lebhaft anspricht?