Der israelitische Volkslehrer
- Journal
- Der israelitische Volkslehrer
- Volume
- 3 (1853)
- Issue
- Heft 9 (September 1853)
- Date
- 1853-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Israelitischen Geschichte. 211 alle Versuche ihrer weisen Führer, die Israeliten vor anderweitigen Einflüssen zu wahren und zu schützen, mußten fruchtlos bleiben, wenn sie überhaupt in der Welt und mit der Welt wirken sollten; es traten immer einflußreichere Beziehungen zu andern Völkern ein, welche auf ihre eigene Gestaltung einwirkten. Der Kampf der Wahrheit gegen den Jrrthum blieb nicht mehr ein innerer; die Waffen mußten sehr häufig, obwohl immer nur abwehrend, nach außen gekehrt werden. Die Mißverständnisse häuften sich im Laufe der Jahrhunderte, mehr noch durch den Gang der Ereignisse, und es konnte nicht fehlen, daß die Begriffe von dem eigentlichen Kern der Lehre mancherlei Umwandlungen erfuhren, indem man ihn selbst nur durch Bilder auszudrücken vermochte, welche immer nach Zeit und Umständen sich umgestalten. Die EntWickelung dieses geistigen Kampfes und die eigenthümliche Fassung, welche der immer sich gleichbleibende Religionsbegriff annahm, und durch welche er sich nach außen hin kund gab, ist die Geschichte Israels. Diese Wahrheit wird nicht etwa erst aus dem Verlaufe dreier Jahrtausende, aus dem Erfolge erkannt oder wohl gar hineingedeutet, wie es häufig in der Beurtheilung vergangener Thatsachen geschieht; nein, sie steht geschrieben in den Quellen, welche, man setze die Abfassung der frühesten Schriften noch so spät, bereits ein Alter von zweitausend und fünfhundert Jahren zählen, und mit der Entfaltung des Lebenskeimes, oder richtiger mit der Jugendkraft des aufstrebenden Volkes, fast gleichzeitig sind, und den Untergang desselben um fast zwei Jahrtausende überlebt haben, unzweideutige Zeugnisse ihres eigenen Inhaltes. Das Wesen dieses Inhaltes besteht in dem einen Gedanken, welcher sämmtliche Schriften durchzieht und belebt, daß Israel mitdem ihm eigenen Begriff von Gottesdienststeht, und geschieden von ihm, fremden Einflüssen unterliegen muß und als Volk zu leben aufhört; daß aber auch dann noch die zu jenem zurückkehrenden Reste Israels sich stets wieder aufrichten und den Kampf siegreich fortsetzen können, so lange er nöthig sein wird, und die erwartete oder erhoffte, goldene Zeit des geistigen Friedens nicht eingetreten ist. Diese stetige Wieder-